deutsch vs english vs denglish

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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Sirius3 » Samstag 5. September 2015, 18:03

@MagBen: natürlich gibt es auch Begriffe, die aus dem Chinesischen entlehnt werden.
@Sophus: Bestimmte Begriffe werden in dem Land geprägt, in der die Innovation stattfindet. Bei Banken italienisch, beim Kochen französisch, Computer englisch. Nimmt man alte "deutsche" Begriffe, müssen die erst eingeführt werden und mit ihrer neuen Bedeutung belegt werden. Da es hierzulande kein Bundesministerium für die Definition deutscher Wörter gibt, ist das ein umständlicher und langwieriger Prozess.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon MagBen » Samstag 5. September 2015, 18:05

Sirius3 hat geschrieben:natürlich gibt es auch Begriffe, die aus dem Chinesischen entlehnt werden.
Z.B.?
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Sophus » Samstag 5. September 2015, 18:17

@cofi: Wie kommst du auf "Sprachpolizei"? Man will, dass sich jemand ordentlich artikulieren kann, und seiner eigenen Sprache auch mächtig ist. Dass es Fachbegriffe gibt, ist mir längst geläufig. Ist ja auch alles richtig. Aber eine Sprache ist nicht dazu da, um sie zu vergewaltigen. Vor allem wenn ich sowas lese wie "Ich gehe skypen" oder "ich muss mal googeln", dann ist es ein Zeichen von Inkompetenz. Es tut mir leid, dass ich nicht zu den neumodischen Menschen gehöre, die meinen, die Sprache zu verunstalten. Ich "code nicht in Python", sondern ich programmiere in Python". Ich relaxe nicht, sondern ich entspanne mich. Ich finde Frauen nicht nice, sondern ich finde sie nett. Und ich finde Python nicht cool, sondern ich finde Python klasse. Und ich frage Frauen nicht nach einer Handy-Nummer, sondern nach einer Mobilnummer. Und whatsappen mag ich schon gar nicht, aber über WhatsApp schreibe ich gerne Nachrichten. Und checken tue ich sowieso nicht, denn ich kapiere nur einiges. Und wenn ich erkältet bin, dann fühle ich mich nicht abgefuckt, sondern einfach nur niedergeschlagen. Und wenn ich zur Bank gehe, hole ich nicht Cash ab, sondern mein Geld.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Üpsilon » Samstag 5. September 2015, 18:41

Dann bist du wohl in der Arche Internetz, dem "kühlen" "Anschnur"-"Plauderbrett" für fröhliche Christenmenschen, gut aufgehoben. Die haben dort auch einen "Faden", in dem schon viele unredliche Anglizismen ins Deutsche übersetzt wurden: http://www.arche-internetz.net/viewtopic.php?f=2&t=6544 Halleluja, Preiset den HERRn!
PS: Die angebotene Summe ist beachtlich.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon jerch » Samstag 5. September 2015, 18:47

Sophus hat geschrieben:Aber eine Sprache ist nicht dazu da, um sie zu vergewaltigen. Vor allem wenn ich sowas lese wie "Ich gehe skypen" oder "ich muss mal googeln", dann ist es ein Zeichen von Inkompetenz.
Nicht Dein Ernst oder? Was soll man denn an Sprache vergewaltigen können, was ist da Gewalt gegen was? Sprache ist eine Übereinkunft von Zeichen/Lauten zu Bedeutung, welche Menschen jeden Tag neu aushandeln. Da ist nichts gesetzt sondern alles im Fluss und Wandel. Selbst das sog. Deppenapostroph ist vor der Willküraktion von Herrn Duden durchaus üblich gewesen.
"skypen" und "googlen" sind in meinen Augen völlig legitime Wortschöpfung unserer Zeit. Auch muss sich das Deutsche nicht an die Entlehnungsprache halten. Schönes Bsp. ist das Verb downloaden. Sprachwissenschaftler sind fasziniert davon, wie kunstvoll bei diesem Wort das Partizip gebildet wird: downgeloadet oder gedownloadet? Da gibt es kein richtig oder falsch - es ist eine Übereinkunft. *kopfschüttel*
Zuletzt geändert von jerch am Samstag 5. September 2015, 18:55, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon cofi » Samstag 5. September 2015, 18:50

Solange das deine private Meinung ist und bleibt kannst du das halten wie du willst und meinetwegen damit gluecklich werden.
Aber, wenn du deshalb andere Leute als Inkompetent bezeichnest geht es zu weit. Nochmal: Es gibt keine "richtige Sprache" sondern Sprache ist ein Ausdruck der Kultur. Darum kann sie auch nicht "vergewaltigt" werden.

Dann teilst du mit diesen Leuten eben nicht die (Sub-)Kultur, aber so tolerant muss man nunmal sein.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon BlackJack » Samstag 5. September 2015, 18:58

Ich würde zaghaft wiedersprechen wollen. Wenn die Allgemeinheit so eine Übereinkunft entwickelt okay, aber ich habe schon manchmal das Gefühl die Werbebranche tut der Sprache Gewalt an. Und im IT-Bereich ist das bei bestimmten Modewörtern (neudeutsch „Buzzwords“) auch nicht besser. :-)
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon jerch » Samstag 5. September 2015, 19:16

@BlackJack:
Ist Rilke Gewalt an der deutschen Sprache? Er hat eine sehr barocke Ausdrucksform gewählt, allerdings gab es die in der Form nie (auch nicht in der Vorklassik). Unsere extrem auf Produktivität und Neuerungen getrimmte Gesellschaft macht vor Kultur und Sprache nicht halt. Aber ist das Gewalt? Ich sehe das eher als beschleunigte Kulturevolution ohne Garantie auf Erfolg. Gewalt könnte man eher da vermuten, wo Menschen mit der neuen Schnelllebigkeit nicht Schritt halten können. Wenn ich z.B. sehe welchem Leistungsdruck z.T. Viertklässler heutzutage ausgesetzt werden, um den Anschluss nicht zu verlieren...
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Sophus » Samstag 5. September 2015, 19:51

Das Wort "Gewalt" oder "Vergewaltigen" sollte eher im übertragenen Sinne verstanden werden. Ich heiße diese Einstellung einfach nicht für gut, wie die Meisten einfach ihre Sprache pflegen. Zum Glück wird sowas in der Wissenschaft nicht geduldet. In einer wissenschaftlichen Abhandlung wird nicht gedonwloaded oder gar geupdatet. Und man schreibt auch nicht "just for fun". Ich habe das Gefühl, dass in akademischen Familien/Kreisen die Sprache gepflegt wird. Ich wäre enttäuscht, wenn mein Hausarzt mit ein mal einfängt: "Ihr Verhalten kommt mehr sehr "strange" vor." Ich will niemanden von euch an den Karren fahren. Ich habe einfach das Gefühl, dass es sich die meisten Menschen dort draußen zu einfach machen. Fragt man denen nach Fällen, Zeitformen und Wort-/Satzarten und Satzglieder, dann schauen die einem an, als hätte ich polnisch rückwärts gesprochen. Also, wenn es "Mode" ist, dass man die Sprache nicht mehr beherrschen soll, sie stattdessen verkümmern lasse soll, dann finde ich es sehr traurig. Tut mir leid, dass ich mich darum bemühe korrekt und kultiviert auszudrücken, anstatt zu sagen "Jo, fuck man ich geh jetzt relaxen". Ach ja, ich muss mal "googlen", ob es das Wort "relaxen" schon gibt. Oder suche ich eher über Google nach dem Wort? Puh, schwere Entscheidung.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon BlackJack » Samstag 5. September 2015, 20:11

@jerch: Ich mache das so ein bisschen an den Intentionen fest. Ich glaube nicht das Rilke die Sprache egal war und auch nicht das er seine Spielart einer möglichst grossen Masse an Menschen, oder zumindest einer Zielgruppe, zur Manipulation der Menschen und aus reinen Profitgründen ”einprügeln” wollte. Das unterstelle ich der Werbebranche die ohne Not echte oder gar erfundene englische Begriffe einführt schon irgendwie. Ich sehe einen Unterschied zwischen „googlen“ und der Frage ob es nun „gedownloaded“ oder „downgeloaded“, wo das wirklich von den ”normalen” Menschen kommt, und Worten die über alle medialen Kanäle von einer Werbeagentur den Menschen aufgedrängt werden. Oder halt auch in kleineren Kreisen in einer bestimmten Fachrichtung wie der Informatik. Und das ist auch oft nicht darauf beschränkt das diese Sachen dann im deutschen unübersetzt übernommen werden, sondern das finde ich auch im Original teilweise schon unschön, weil's eben leere Worthülsen sind. Wie Cloud was sehr schwammig ist, oder dieser unsägliche „… as a service“-Zusatz der im Moment an alles drangeklatscht wird (oder ist das schon vorbei?)…
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon jerch » Samstag 5. September 2015, 20:12

@Sophus:
Eben - es stört Dich. Der Sprache ist es egal. Falls man da von Vergewaltigung sprechen möchte, wird Deine Sprachvorstellung/-ästhetik "vergewaltigt".
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Hyperion » Samstag 5. September 2015, 20:18

@Sophus: Nicht jeder macht sich Gedanken um seine Sprache und oder Kultur; es interessiert sie einfach nicht. Das wirst Du akzeptieren müssen! Solche Menschen reden (und schreiben) einfach so, wie es ihnen gefällt bzw. wie sie es kennen. (Da kommt dann das Hartz4-Bildungsfernsehen und die Werbung sicherlich unschön ins Spiel, wie es BlackJack ja auch schon angerissen hat)

Das ist und war aber schon immer so - wir kennen z.B. geschriebenes Latein nur von der Elite! Ein römischer Plebejer hat eben selten schreiben gelernt und auch sicherlich kaum die Chance gehabt, Texte so zu verfassen, dass sie erhalten geblieben sind. (In Pompeji hat man in der Tat Kritzeleien gefunden, die man auch heutzutage gerne an Toilettentüren von Clubs oder Kneipen finden - da werden Prostituierte plakativ und eher vulgär beschrieben. Tja, auch reichere Römer haben offenbar einfach nicht immer stilistisch und niveauvoll geschrieben und gesprochen :mrgreen: ) In Deutschland des 21. Jahrhundert ist das nicht anders. Wer mal morgens in HH U-Bahn oder Bus fährt und anderen Passagieren so zuhört, kann oftmals schlimme Subkultur-Sprache vom feinsten erleben ("Hey, ist Dienstag Nachmittag gesaved?"). Sicherlich oftmals von Schülern, aber durchaus auch von Erwachsenen. So ist das, war so und wird wohl auch weiterhin so bleiben!

Ich frage mich allerdings so langsam, inwiefern solche Modeausdrücke die Namenswahl beim Programmieren beeinflussen :K
encoding_kapiert = all(verstehen(lesen(info)) for info in (Leonidas Folien, Blog, Folien & Text inkl. Python3))
assert encoding_kapiert
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Sophus » Samstag 5. September 2015, 20:19

@jerch: Ich habe grundlegend das Gefühl, dass es euch ziemlich egal ist, wie man mit der Sprache umgehen mag. Ob jemand die Orthographie oder Grammatik beherrscht oder nicht - egal. Also diese Einstellung teile ich ganz und gar nicht. Wenn ihr euren Kindern so einen Unsinn heranbringt, dann tun mir die Kinder jetzt schon leid. Es bereitet doch einem Augen- und Kopfschmerzen, wenn man hier Einträge liest, die nur von Fehlern behaftet sind. Wie kann man so eine liberal-opportunistische Einstellung hegen? Oder soll ich anstatt Einstellung Attitude sagen?
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Sophus » Samstag 5. September 2015, 20:24

@Hyperion: Na ja, das zum Beispiel englische Wörter oder gar englische Sätze in der Programmiersprache und/oder in den Kommentaren verwendet werden, darüber sind wir uns ja alle einig. Selbst ich sehe das ein :-) Es geht einfach um die Pflege der Sprache :-) Aber deine Einstellung klingt eher wie "Der Klügere gibt nach". Wieso muss ich es akzeptieren, wenn andere so einen Unsinn reden? Würde ich alles akzeptieren, dann hieße es "Bahn frei, Freunde. Achtet nicht auf Krammatick und Raichtsschreibunk. Alles doov. Prauchen wihr alles net. Misch vatsteht doch jäder." :shock:
Zuletzt geändert von Sophus am Samstag 5. September 2015, 20:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: deutsch vs english vs denglish

Beitragvon Üpsilon » Samstag 5. September 2015, 20:27

@Sophus: Meinst du das Wort "Telefon" stand im Duden, als es erfunden wurde? Nach deiner Logik dürfte man das doch auch nicht sagen, sondern auf sperrige Begriffe wie "Fernsprechgerät" zurückgreifen.

Sprache ist u.a. dazu da, die Welt zu beschreiben, und die Welt verändert sich nun mal. Also muss die Sprache sich auch verändern. Natürlich kann man statt "googeln" auch "mit Google im Internet suchen" sagen, aber das ist len("mit Google im Internet suchen") / float(len("google"))-mal so lang. Wenn die Welt sich noch mehr ändert, aber wir die Sprache nicht anpassen, dann werden "wir" in 1000 Jahren nur noch ewig lange Wörter nutzen.
PS: Die angebotene Summe ist beachtlich.

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