python lizenz

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blan
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Samstag 5. August 2006, 23:28

hallo, ich wollte fragen ob mir jemand kurz erklären kann wie sich die python lizenz von der GPL unterscheidet und wieso nicht die GPL verwendert wird ?

mfg blan
BlackJack

Sonntag 6. August 2006, 07:55

Ganz grob: Die Python Lizenz erlaubt auch das verwenden in nicht-offener und kommerzieller Software. Das macht Python zum Beispiel attraktiv für Firmen die eine Skriptsprache für ihr kommerzielles, "geschlossenes" Produkt suchen.

Das könnte auch ein Grund gewesen sein nicht die GPL zu verwenden. Ein anderer ist sicherlich, das Python schon recht "alt" ist und am Anfang die GPL noch nicht sooo verbreitet war. Wenn die jetzt auf GPL umstellen wollten, dann müssten sie das Einverständnis von allen Entwicklern einholen, die je etwas zum Programm beigesteuert haben. Das ist sicher nicht praktikabel.
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birkenfeld
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Sonntag 6. August 2006, 15:02

Vor allem ist das nicht gewollt. Die Python-Lizenz war auch nicht von Anfang an da: eine Übersicht der verschiedenen Lizenzen findet man in der Source-Distribution in LICENSE. Da findet man Perlen wie

Code: Alles auswählen

(2) According to Richard Stallman, 1.6.1 is not GPL-compatible,
    because its license has a choice of law clause.  According to
    CNRI, however, Stallman's lawyer has told CNRI's lawyer that 1.6.1
    is "not incompatible" with the GPL.
Die aktuelle PSF-Lizenz galt ab Version 2.1.

Die heutige Python-Lizenz ist nur für Python selbst gedacht, da sie das Copyright der PSF zuschreibt (viele Modulautoren meinen, sie könnten sie für ihre Module verwenden, was ein Irrtum ist). Die Hauptunterschiede zur GPL sind laut python.org:

Code: Alles auswählen

    * Python is absolutely free, even for commercial use (including resale). You can sell a product written in Python or a product that embeds the Python interpreter. No licensing fees need to be paid for such usage.
    * There is no GPL-like "copyleft" restriction. Distributing binary-only versions of Python, modified or not, is allowed. There is no requirement to release any of your source code. You can also write extension modules for Python and provide them only in binary form.
    * You cannot remove the PSF's copyright notice from either the source code or the resulting binary.
blan
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Sonntag 6. August 2006, 17:23

hrm.. wieso sollte eine firma python einsetzt wo man den quellcode ja nicht verstecken kann oder?

schade das es nicht GPL ist...

mfg blan
BlackJack

Sonntag 6. August 2006, 17:30

Die Firma kann ihren Quelltext "verstecken". Entweder den von der Anwendung in die Python eingebettet ist, oder den von Erweiterungen die nicht in Python selbst geschrieben sind. Oder halt Änderungen am Interpretierer.

Warum findest Du es schade, dass Python nicht GPL ist? Was wäre der Vorteil?
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birkenfeld
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Sonntag 6. August 2006, 18:43

blan: Vielleicht hast du da was falsch verstanden. Die GPL ist *wesentlich* restriktiver als die PSF-Lizenz, denn du musst alle Änderungen, die du an GPL-lizensiertem Quelltext machst, öffentlich machen. Das fordert die Python-Lizenz nicht.
blan
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Montag 7. August 2006, 02:09

ich seh es als vorteil von der GPL, dass der quelltext öffentlich bleiben muss und damit wieder jemand anders die möglichkeit hat den code für sein projekt zu benutzten.

mfg blan
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Rebecca
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Montag 7. August 2006, 10:11

gnu.org hat geschrieben:When a program is linked with a library, whether statically or using a shared library, the combination of the two is legally speaking a combined work, a derivative of the original library. The ordinary General Public License therefore permits such linking only if the entire combination fits its criteria of freedom.
Ich verstehe das so, dass, wenn Python unter der GPL stuende, jedes Python-Programm wieder unter der GPL stehen muesste. So gut ich die GPL auch finde, aber das waere doch schon ziemlich krass. Oder seh ich das falsch?
BlackJack

Montag 7. August 2006, 10:31

Das wäre krass darum stehen die meisten Programmiersprachen auch nicht komplett unter der GPL. Selbst der GCC erlaubt das erstellen von "geschlossenen" Binärdateien und hat eine extra Klausel für die Laufzeitbibliothek.
N317V
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Montag 7. August 2006, 11:18

Rebecca hat geschrieben:Ich verstehe das so, dass, wenn Python unter der GPL stuende, jedes Python-Programm wieder unter der GPL stehen muesste. So gut ich die GPL auch finde, aber das waere doch schon ziemlich krass. Oder seh ich das falsch?
Siehst Du absolut richtig. Dafür gibt es die LGPL.
Es gibt für alles eine rationale Erklärung.
Außerdem gibt es eine irrationale.

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Joghurt
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Montag 7. August 2006, 21:40

N317V hat geschrieben:
Rebecca hat geschrieben:Ich verstehe das so, dass, wenn Python unter der GPL stuende, jedes Python-Programm wieder unter der GPL stehen muesste. So gut ich die GPL auch finde, aber das waere doch schon ziemlich krass. Oder seh ich das falsch?
Siehst Du absolut richtig.
Nein! Das ist Quatsch!
GPL hat geschrieben:Der Vorgang der Ausführung des Programms wird nicht eingeschränkt, und die Ausgaben des Programms unterliegen dieser Lizenz nur, wenn der Inhalt ein auf dem Programm basierendes Datenwerk darstellt (unabhängig davon, daß die Ausgabe durch die Ausführung des Programmes erfolgte). Ob dies zutrifft, hängt von den Funktionen des Programms ab.
GCC steht z.B. unter der GPL. Nicht jedes Programm, das mit dem GCC kompiliert wurde, muss GPL sein.

Wenn du aber ein GPL Python in dein Programm einbauen würdest, und Python für die Funktion notwendig wäre, (wie z.B. bei Civ IV oder Eve Online), dann müsstest du dein Programm ebenfalls unter die GPL stellen.

Die GPL garantiert, dass man das Programm für jeden Zweck nutzen darf, auch dafür, propietäre Lösungen zu entwickeln.
N317V
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Dienstag 8. August 2006, 10:45

Joghurt hat geschrieben:GCC steht z.B. unter der GPL. Nicht jedes Programm, das mit dem GCC kompiliert wurde, muss GPL sein.
Das ist ja auch ein Compiler und kein Interpreter. Das Programm ist somit nur die Ausgabe des GCC. Für das fertige Programm brauch ich den GCC nicht mehr. Bei Python ist das anders. Da greift meines Erachtens die von Rebecca zitierte Passage. Aber: IANAL :-)
Es gibt für alles eine rationale Erklärung.
Außerdem gibt es eine irrationale.

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Dienstag 8. August 2006, 11:14

blan hat geschrieben:hrm.. wieso sollte eine firma python einsetzt wo man den quellcode ja nicht verstecken kann oder?
Ich denke, in der Regel werden Programme, die in Python geschrieben sind, individuell für einen Kunden oder einen sehr kleinen, überschaubaren Kundenkreis geschrieben, der eine Speziallösung benötigt. In diesen Fällen ist es meines Wissens durchaus üblich, den Kunden vertraglich dazu zu verpflichten, die Software nicht an Dritte weiterzugeben und nicht zu verändern. Und da bei diesen speziellen Lösungen die Bindung Kunde <-> Programmierer in der Regel sehr eng ist, werden sich die Kunden auch daran halten. In Python geschriebene Software ist ja normalerweise kein Massenprodukt wie ein Officepaket oder eine Telefon-CD.
N317V
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Dienstag 8. August 2006, 11:52

morph hat geschrieben:Und da bei diesen speziellen Lösungen die Bindung Kunde <-> Programmierer in der Regel sehr eng ist
... oft so eng, dass manche Firmen immernoch eigene IT-Abteilungen haben. :-)
Es gibt für alles eine rationale Erklärung.
Außerdem gibt es eine irrationale.

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Dienstag 8. August 2006, 13:59

blan hat geschrieben:hrm.. wieso sollte eine firma python einsetzt wo man den quellcode ja nicht verstecken kann oder?
Die Firma in der ich arbeite setzt Python ein, um die kommerzielle eigene Anwendung zu scripten und zu steuern. Und da muss man den Code nicht verstecken...

Gruß,
Markus :)
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