Mit Freier Software Geld verdienen

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modelnine
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Freitag 20. Januar 2006, 12:38

gerold:

Nützliche, kleine Programme sind überlicherweise das was man unter der GPL bereits hat, ohne dass man weit gucken muß. Siehe nur den Umfang des GNU-Projekts. Deswegen würde ich einfach mal so sagen dass es mit dem Programm als solchen eigentlich wenig Chancen gibt Geld zu verdienen (außer zum Beispiel als Spenden, was auch geht, aber eben im Normalfall keine Familie ernährt), das siehst Du ganz richtig.

Wo es anfängt interessant zu werden, zum Beispiel bei der Adress-Datenbank, ist wenn Du Erweiterungen schreibst die dann Kunden benutzen wollen die Support brauchen. Nimm zum Beispiel eine Anbindung der Adress-Datenbank an ein VoIP-System, wie zum Beispiel asterisk, um direkt vom Rechner des Angestellten auf dem die Adressdatenbank installiert ist mit jemandem über einen zentralen Gateway zu telefonieren. Da Dein Programm unter GPL steht muß auch dieses Zusatzmodul unter GPL stehen, nur kannst Du sicher sein dass niemand in einem normalen 100-Personen-Betrieb einen asterisk-Server einrichten und warten kann.

Eine Marktlücke ohne gleichen, hier Support anzubieten, indem Du zum Beispiel die Wartung und Installation des asterisk übernimmst und Deinen Kunden dann gleich eine Adress-Datenbank geben kannst die sie auch zu Hause nutzen können, und damit zum Beispiel auch von zu Hause die Möglichkeit bekommen dienstliche Gespräche über das Internet mit dem zentralen askterisk zu erledigen, und zwar das ganze auch noch effektiv und schön. Also im Endeffekt ist aus Deiner Adress-Datenbank eine freie VoIP-Lösung geworden, die besonders gut mit asterisk interagiert, und eben auch zusätzliche Dinge anbieten kann.

Das ist nur eine Idee, die mir jetzt so ganz spontan in den Kopf gekommen ist, aber im Endeffekt sitzt in solchen Lösungen, die halt eben innovativ sind, das Geld. Du bietest die Innovation im Sinne von Support und Dienstleitungen (Du kannst zum Beispiel sicher sein dass die Firma über kurz oder lang ein Modul möchte mit dem sie auch Kundeninformationen speichern können, oder aber gesprächsvGrlauf protokollieren können, oder aber Gespräche mitschneiden können, etc. etc. etc.). Hier bietet es sich dann an das eigentliche System unter der LGPL zu veröffentlicen, dann hast Du nämlich keine Probleme proprietäre Erweiterungen dazu zu schreiben, obwohl das eben auch wieder so eine Sache ist: wenn Du eine proprietäre Erweiterung für ein Unternehmen schreibst geht im Normalfall das Copyright auf das Unternehmen über. Wenn Du das ganze unter GPL schreibst, von dem Unternehmen über den Support-Vertrag die Installation bezahlt bekommst (die ja sicherlich nicht umsonst ist) behälst Du das Copyright, und kannst die Software, falls sie interessant ist, eben auch bei Firma xyz installieren und einsetzen.

Andere Sache: selbst wenn Du eine GPL-Applikation schreibst bedeutet das noch lange nicht dass Du sie verteilen mußt. Zum Beispiel kannst Du mit einem Kunden vereinbaren dass Du ihm eine Erweiterung schreibst, wenn Du das Copyright an ihn abgibst und dich dafür bezahlen lässt ist es scheiß egal dass Deine Anwendung unter der GPL steht. Wenn er das Zusatzmodul weitervertreiben will muß er das unter der GPL tun, wenn er es nicht will, dann kann er es trotzdem benutzen wie er Lust hat.

Anderes Beispiel: Ich administriere ein VMail-System bei uns an der Hochschule. Das ganze VMail-System ist bis auf einen ganz, ganz kleinen Teil unter einer BSD-artigen-Lizenz (also noch freier zugänglich als die GPL) erhältlich, aber trotzdem bin ich mir sicher, dass ich von der Hochschule nicht in der nahen Zukunft ausgetauscht werde (was sie ja prinzipiell tun könnten), weil sie eben mit dem Support den ich für die Anwendung leiste zufrieden sind. Aber für sie ist es natürlich auch eine große Sicherheit. Wenn ich irgendwann mal tot umfalle, dann haben sie ein Programm was auch zur Not jemand anderes weiterschrauben kann, weil ich die Rechte dazu bereits jetzt so gegeben habe. Ich besitze das Copyright, aber ich habe der MHH zugesagt dass sie mit dem Programm machen dürfen was sie wollen. Eine Win-Win-Situation, im Endeffekt.

Es kommt also immer drauf an, aber im Normalfall zwingt Dich die GPL halt dazu eine echte "Innovation" anzubieten, damit Du Deine Software verkaufen kannst. Das ist anders als bei closed-source-Software, die Du in einem Paket kaufst, wo dann häufig einfach irgendeine der Softwares gekauft wird die eine gewisse Funktionalität anbieten. Und eine Adress-Datenbank ist eben alles andere als innovativ.

--- Heiko.
droptix
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Freitag 20. Januar 2006, 12:40

gerold hat geschrieben:Wie kann man mit kleinen, feinen Programmen, die für viele Leute interessant sind seinen Lebensunterhalt verdienen, wenn man dabei auf GPL setzt? [...] Allein vom Ruhm und dem Wissen, dass mein Programm weltweit auf vielen Computern installiert ist und wunderbar funktioniert, kann ich keine Familie ernähren.
Das ist eine sehr interessante Frage, die auch mein Schützen-Wollen etwas in den Schatten stellen könnte. Wenn ich das wüsste, würde ich meine Software ohne zu zögern unter der GPL freigeben :D Aber ich weiß es nicht. Deshalb meine Bedenken. Ich frage mich immer, wie der Chefentwickler Kasper Skårhøj von TYPO3 überhaupt zu Geld kommt, wenn doch jeder das System kostenlos nutzt und evtl. sogar vertreibt. Sogar die Extensions sind alle frei... "Donations" sieht er nur selten. Und hinter ihm steht ja noch die gesamte TYPO3 Association, die ebenfalls Geld braucht... Wie funktioniert das?

@ modelnine: Dann sind wir uns vom Entwicklerhirn wohl ähnlich, denn auch ich zähle mich zu denen, die kein Genie sind, aber trotzdem gute Programme schreiben können. Jeder hat so seine Art und seinen Fundus an eigenen Libs, die man gern verwendet... Aber auch gerade dort liegt die Schwelle meiner Frage:

1) Entweder ich mache mein Programm Open Source, weil dann viel bessere Entwickler mir helfen können, mein Programm noch effizienter zu machen. Auch mein Wunschdenken!

2) Oder aber eine große Firma greift die Idee auf und setzt sie mit ihrem viel besserem Entwicklerteam dann z.B. in C anstatt Python um, was vielleicht noch schneller und besser ist. Das Open Source Projekt stirbt dann vielleicht, weil die Firma stets einen Schritt voraus ist und einfach das bessere Produkt hat.

Punkt 2) würde ich gern vermeiden.
modelnine
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Freitag 20. Januar 2006, 12:57

2) Oder aber eine große Firma greift die Idee auf und setzt sie mit ihrem viel besserem Entwicklerteam dann z.B. in C anstatt Python um, was vielleicht noch schneller und besser ist. Das Open Source Projekt stirbt dann vielleicht, weil die Firma stets einen Schritt voraus ist und einfach das bessere Produkt hat.
Das ist es doch was ich die ganze Zeit probiere zu erklären dass das eben nicht so ist. Wenn Du Dein Programm unter einer offenen Lizenz veröffentlichst und wirklich etwas Neues da drin steckt, dann wird das Programm mit dem selben Funktionsumfang auch erst einmal in einem gewissen Zeitraum nicht angefochten sein, weil selbst wenn Du die Innereien eines Programms siehst es erst einmal Zeit kostet um das ganze neu zu implementieren. Im Normalfall muß das "neu implementieren" auch "Clean-Room" passieren, damit sie nicht mit Lizenz-Problemen zu rechnen haben, das bedeutet sie implementieren einen Clone Deines Programms mit der selben Funktionalität, aber nicht notwendigerweise auf der Basis der selben Algorithmen die Du benutzt. Das ist nicht einfach, und auch nicht schnell. Glaubs mir.

Du hast also auf jeden Fall Zeit das Programm bei Kunden zu etablieren. Wenn die Kunden zufrieden sind mit Deiner Arbeit wirst Du auch keine Probleme haben die Kunden zu halten, ganz im Gegenteil haben sie durch die Lizenz die Möglichkeit eben auch zu jemandem anderes zu gehen wenn sie nicht mehr mit Dir zufrieden sind, das ist ein großer Vorteil für den Kunden, dem Du ihm auch so verkaufen kannst.

Du kannst so sicherlich kein Gates-sches Monopol aufbauen, aber einen Lebensunterhalt damit verdienen geht ohne Probleme, besonders wenn Du halt eben guten Support leistest. Und Du wirst nicht glaube wieviele Leute es gibt die tatsächlich anderen Open-Source-Projekten Geld spenden. Sowohl Privatleute, als auch Unternehmen, die halt eben dadurch auf jeden Fall sicher sein wollen dass das Produkt weiterentwickelt wird.

Ich denke nicht dass ich das ganze zu naiv sehe. Ich sehe halt nur, dass es wirklich eine Gewisse Innovation, im besonderen halt eben das eingehen auf Kundenwünsche, braucht, damit ein freies Produkt sich durchsetzen kann. Du kannst keine alte, abgedroschene Idee so verkaufen. Du kannst Dich aber immer durch den Support vor aller Konkurrenz hervortun.

--- Heiko.
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gerold
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Freitag 20. Januar 2006, 13:43

Hi modelnine!
modelnine hat geschrieben:Nützliche, kleine Programme sind überlicherweise das was man unter der GPL bereits hat, ohne dass man weit gucken muß.
Ja, es gibt viele kleine und nützliche Programme unter der GPL. Aber eines haben die meisten kleinen gemeinsam. Es gibt meist nur einen oder zwei Entwickler, die das Programm geschrieben haben. Meist interessiert sich auch kein anderer dafür, das Programm zu verbessern, da es meistens gerade mal gut genug funktioniert, so dass man keine zusätzliche Arbeit rein stecken möchte. Das ist unter anderem auch der Grund dafür, dass viele kleine GPL-Programme zwar funktionieren und und ihren Zweck erfüllen, aber sonst nichts. Ein schön programmiertes GPL-Programm, mit guter Fehlerkontrolle und ansprechender/durchdachter Benutzeroberfläche sieht man selten. Dafür müsste man ja auch viel, viel mehr Arbeit in das Programm stecken. Aber für diese Arbeit hat man keine Zeit, weil man ja auch irgendwie Geld verdienen muss. Da man kein Geld mit dem Programm verdient, hat man zu wenig Zeit, es zu verbessern. Da man keine Zeit zum Verbessern hat bleibt es eines von vielen GPL-Programmen, das ein vielversprechendes Programm hätte werden können, es aber aus Geldmangel nie wurde.

Siehe: http://freshmeat.net oder http://sf.net
modelnine hat geschrieben:Deswegen würde ich einfach mal so sagen dass es mit dem Programm als solchen eigentlich wenig Chancen gibt Geld zu verdienen (außer zum Beispiel als Spenden, was auch geht, aber eben im Normalfall keine Familie ernährt), das siehst Du ganz richtig.
Vielleicht fällt jemandem ja doch noch ein, wie man mit qualitativ guten Programmen, die nicht unbedingt eine Innovation darstellen müssen aber ohne Probleme funktionieren und ständig weiterentwickelt werden, Geld verdienen kann.
modelnine hat geschrieben:Wo es anfängt interessant zu werden, zum Beispiel bei der Adress-Datenbank, ist wenn Du Erweiterungen schreibst die dann Kunden benutzen wollen die Support brauchen.
[...]
Eine Marktlücke ohne gleichen, hier Support anzubieten, indem Du zum Beispiel die Wartung und Installation des asterisk übernimmst und Deinen Kunden dann gleich eine Adress-Datenbank geben kannst...
Ich bin Programmierer und kein Servicetechniker. Ich bin der, der im kleinen Zimmer mit drei Monitoren und fünf Computern sitzt und eine Möglichkeit sucht damit genug Geld zu verdienen um über die Runden zu kommen. Das ist keine Alternative für mich. Außerdem schreibe ich gerne Programme, die sich selbst erklären, leicht installierbar sind und theoretisch keinen Support brauchen. Ich lege großen Wert auf eine gute Anwenderhilfe im Programm selbst und schreibe sogar Assistenten, die den unerfahrenen Anwender zum Ziel führen. Für solche Programme sind Kunden gerne bereit etwas zu bezahlen, da sie wissen, dass sie damit wenig Probleme haben werden.
Wenn sie sich das gleiche Programm aber von einem Freeware-Server herunterladen können, dann habe ich umsonst gearbeitet und lande trotz meinem Wissen über gute Programmoberflächen und meiner Erfahrung als Programmierer (Programmarchitekt) auf der Straße.

Ich brauche eine **funktionierende** Idee, wie ich mit freier Software Geld verdienen kann. Dann habe ich auch kein Problem damit meine Programme zu verschenken. *Support* ist leider nicht die Antwort.
modelnine hat geschrieben:wenn Du eine proprietäre Erweiterung für ein Unternehmen schreibst geht im Normalfall das Copyright auf das Unternehmen über.
Das stimmt so nicht. Eben erst gab es ein Gerichtsurteil, dass das Copyright beim Programmierer bleibt, außer es wurde etwas anderes vereinbart.
modelnine hat geschrieben:selbst wenn Du eine GPL-Applikation schreibst bedeutet das noch lange nicht dass Du sie verteilen mußt.
Das ist dann interessant, wenn ich in einer Firma arbeite und für diese Firma intern ein Problem lösen muss. Das gilt auch dann, wenn ich als Dienstleister für eine Firma eine Lösung ausarbeite -- ist aber für ein kleines Programm, dass für viele interessant ist, nicht machbar.

modelnine hat geschrieben:[...]weil sie eben mit dem Support den ich für die Anwendung leiste zufrieden sind. [...] Eine Win-Win-Situation, im Endeffekt.
Das gilt bei Software, die speziell für *einen* oder wenige Kunden erstellt wurde.
modelnine hat geschrieben:aber im Normalfall zwingt Dich die GPL halt dazu eine echte "Innovation" anzubieten, damit Du Deine Software verkaufen kannst. Das ist anders als bei closed-source-Software, die Du in einem Paket kaufst, wo dann häufig einfach irgendeine der Softwares gekauft wird die eine gewisse Funktionalität anbieten. Und eine Adress-Datenbank ist eben alles andere als innovativ.
Deshalb setzt sich auch kaum jemand hin und entwickelt eine GPL-Adressverwaltung die wirklich gut funktioniert, für Endanwender und auch Profis interessant ist, eine gut durchdachte Oberfläche besitzt, mit mehreren Betriebssystemen einwandfrei funktioniert, mit anderen Programmen wie z.B. Textverarbeitungen zusammenarbeitet, leicht erweiterbar ist, ...

lg
Gerold
:-)
http://halvar.at | Kleiner Bascom AVR Kurs
Wissen hat eine wunderbare Eigenschaft: Es verdoppelt sich, wenn man es teilt.
Joghurt
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Freitag 20. Januar 2006, 13:59

Kann ein Admin diesen Thread splitten und ihm einen besseren Titel geben? Ich finde diese Diskussion nämlich bei weitem interessanter als die Frage, wie man Pythoncode compiliert...
Python 47
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Freitag 20. Januar 2006, 14:35

Ja das ist eine gute idee von Jogurt, ich finde diese Diskussion auch sehr interresant!
mfg

Thomas :-)
Leonidas
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Freitag 20. Januar 2006, 14:46

Joghurt hat geschrieben:Kann ein Admin diesen Thread splitten und ihm einen besseren Titel geben? Ich finde diese Diskussion nämlich bei weitem interessanter als die Frage, wie man Pythoncode compiliert...
Gesagt, getan. Ich denke der Titel sollte nun auch passend sein.
My god, it's full of CARs! | Leonidasvoice vs Modvoice
Mad-Marty
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Freitag 20. Januar 2006, 21:41

Ich sehe das auch so das man den quellcode mitverkaufen kann/sollte,
aber da liegt er sicher bei einer person.
Die normalen Benutzer brauchen ihn nicht, und sollten ihn auch nicht bekommen.

Und bitte seid doch mal nicht so naiv, das lizenzen und so weiter irgendeine relevanz bei anwendern hätten. Bei der Firmenführung ja ... aber das wars auch schon.

Laut einer Studie sind 60 % der eingesetzen software in unternehmen nicht lizensiert ! Noch Fragen ?


Die ganze Sache ist sehr Fallabhängig, sobald aber eine nicht einschätzbare anzahl an personen an die files kommen, würde ich einfach nur noch kompilate rausgeben (es reicht ja schon .pyc / py2exe damit nicht jeder in der lage ist sich irgendwelche recht zu holen oder sonstwas unvorgesehenes zu tun).
Wer sich die mühe macht das zu analysieren ... ok.
Aber ich muss es ja nicht jedem idiotensicher anbieten ...


Auserdem gibt es auch fälle wo die innovation in der art wie die software funktioniert (nicht wie es geschrieben wurde), den service sicherstellt - und da möchte man ganz sicher nicht das das jeder sieht.


Auch model9 hat in gewissen sachen recht, ein begrenzter personenkreis, der mit dir einen vertrag eingeht, wird sich nie am source vergreifen. Wenn die software wichtig für ihr unternehmen ist, ist sie sowas wie der heilige gral.

Um das mal zu konkretisieren :

Firma, serveranwendung : Ja, kein problem Quellcode mitzuverkaufen
Privatanwender : Keine Chance das da zu machen, da verdient man ja nie geld
Open Source gemeinde : Logischerweise gibts da den Quellcode - und logischerweise sind die chancen damit geld zu verdienen eingeschränkt

Software als Innovation zur Sicherung eines Services, wo man eventuell von plugins leben will : Closed Source
BlackJack

Freitag 20. Januar 2006, 22:00

droptix hat geschrieben:By the way: Ist das dekompilieren eigentlich illegal? Oder kann darf jeder auf dem Markt existierende Software dekompilieren, um an den Quellcode zu kommen?
Dekompilieren ist (in Deutschland) legal. Du darfst das Ergebnis aber nicht in Deine Programme einbauen. Du kannst es nur benutzen um die Funktionsweise zu verstehen und das ganze dann selbst von "Null" neu implementieren.
Joghurt hat geschrieben:Und wieso kannst du kein Geld durch Support verdienen? Ob du jetzt € x für das Anfertigen einer Kopie oder denselben Betrag für das installieren des Programmes sowie Support für 6 Monate (oder was auch immer) nimmst, kommt letztenendes doch aufs selbe raus.
Wenn die Software Open Source ist, wird es viele fähige Admins geben, die genügend Zeit investieren, um das Programm ohne Support auf die Beine zu stellen. In den meisten Fällen wird das wohl auch gelingen. Jeder ehrgeizige Admin ist ein Kunde weniger für mich. In der Summe sind das vielleicht nur halb so viele Kunden als wenn ich Closed Source hätte. Deshalb kann das einen kaputt machen. Sorry, das ist Marktwirtschaft.
Jeder Admin der das selbst auf die Beine stellt, und es für gut befindet, ist aber auch Werbung weil er das Programm weiterempfehlen wird. Und damit erreichst Du dann vielleicht auch wieder Leute die Service von Dir brauchen können.

Und die Situation ist bei Closed Source auch nicht viel anders, weil da auch "fähige" Admins nicht-lizensierte Kopien einsetzen werden. Die werden es auch weiterempfehlen wenn es gut ist, aber da kommt dann keiner wegen Service zu Dir weil natürlich niemand zugeben möchte das er die Software ohne Lizenz benutzt.
Wir wissen alle, wieviel illegale Software es bei Esel und Torrent gibt. Wer da aus welchen Gründen seinem Verkäufer untreu geworden ist... wer weiß. Ist auch egal. Ich möchte ja auch keinen Kopierschutz (das funktioniert eh nicht), sondern es der Konkurrenz nur nicht unnötig leicht machen.
Und in welcher Weise schützt Dich Closed Source davor, dass Dein Programm in Esel und Torrent auftauchen, insbesondere wenn Du keinen Kopierschutz einbauen möchtest!?

Zu der Frage wie Typo3 und ähnliche Projekte Geld machen: Schulungen, Support, Bücher schreiben und anbieten gegen Geld auf Kundenwunsch Erweiterungen und Veränderungen an der Software vorzunehmen. Das sind so die gängigsten Geschäftsmodelle denke ich.
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Sophus
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Mittwoch 25. März 2015, 01:44

Ich buddel das Thema mal wieder aus. Auch ich beschäftige mich zur Zeit mit diesen Lizenzen und deren Unterschiede. Ich bin soweit informiert, dass ich den Unterschied zwischen BSD und GPL oder LGPL inzwischen drauf habe. Aber wenn ich droptixs Gedanken verfolge, glaube ich, zu wissen, worauf er hinaus will. Denn dieser Gedanke kam mir auch auf. Man sagt, das eine Lizenz - angenommen GPL 2 - die mit im Programm beiliegt, sie dich auch rechtlich schützt. Aber meines Erachtens ist Recht nicht gleich Recht. Gut, die großen, bekannten freien Software würden bei solchen Lizenzen sicherlich ihren Schutz finden. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, sich den VLC-Player zu schnappen, es geringfügig modifizieren und dann als eigenes Produkt verkaufen. Erstens kennt fast jeder den VLC-Player und zweitens würde sich die Person oder die Firma mit dem VLC-Player-Team mächtig auseinandersetzen. Große und bekannte Projekte brauchen also keine "Angst" haben, dass man denen was "klaut".

Aber was ist mit jemanden, der ein armer Student ist, und gerade mal so viel Geld hat um die Monate geradeso zu bestreiten? Der arme Student schreibt in seiner Freizeit eine Software, veröffentlicht das unter die GPL-Lizenz. Dein Programm ist kaum bekannt, weil es noch sehr neu ist. Nun kommt Firma x oder Person x, schnappt sich den Code, missachtet die Lizenz, modifizieren das Projekt und verkauft es dann als ihr komplett eigenes. Es kann zum Beispiel eine Firma sein, die schon recht bekannt ist. Und nun kommst du daher und sagst "Firma x hat mir mein Code geklaut". Erst einmal würde man sich lächerlich machen. Und der nächste Schritt ist dann der Rechtsstreit. Wenn die Firma recht mächtig ist, würden sie dir mächtig viele Anwälte schicken, der Prozess würde sich ewig in die Länge ziehen und am Ende ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du "versagst", und somit wurde dir was geklaut.

Mein Fazit ist also, dass es durchaus berechtigt ist, dass man vorsichtig sein soll. Man soll nicht immer gutgläubig durch die Welt laufen, und glauben, alle wollen dir nur was Gutes, niemand tut dir was. Das gilt in allen Lebenslagen. Und große Projekte, die ihren Bekanntheitsgrad erreicht haben, können sich in Sicherheit wiegen. Wenn also Microsoft hingeht, und den VLC-Player nimmt und es so modifiziert um behaupten zu können "Meins, hab ich programmiert, jetzt mal Geld her ihr Kunden"., dann würde Microsoft sich mächtig blamieren. Ein Schuss ins Knie sozusagen. Aber Projekte, die kaum einer kennt, weil es noch nicht vorgedrungen ist, lässt sich leichter "klauen". Die Lizenz ist da auch kein Garant dafür. Wir leben in einer stark geprägten kapitalistischen Gesellschaft. Es ist also nichts Neues, wenn etwas geklaut wird. Das hat aber auch nichts damit zutun, dass man nun negativ eingestellt ist, und in jedem Menschen den Teufel sieht. Nur ist es durchaus vernünftig, wenn man ein gesundes Maß an Skepsis oder Vorsicht an den Tag legt.
BlackJack

Mittwoch 25. März 2015, 09:20

@Sophus: Kann ich so nicht teilen die Einschätzung. Egal wie bekannt der Rechtsverletzer und wie unbekannt der bestohlene ist: Wenn es bekannt wird ist das für den Rechtsverletzer ein nicht unerheblicher Image-Schaden. Und er steht dann im Ernstfall auch nicht nur einem unbekannten Programmierer gegenüber, denn es gibt ja Organisationen wie die Free Software Foundation die den dann unterstützen können.

Die beiden Knackpunkte sind aus meiner Sicht eigentlich nur das man den Code so veröffentlicht das man leicht belegen kann wann er das Licht der Welt erblickt hat, und das man nachweisen kann dass der Code in einem Closed Source-Produkt verwendet wurde. Der erste Teil ist einfach wenn man den Quelltext auf Bitbucket, Github, Google Code, Sourceforge, … veröffentlicht.
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CodeGarden
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Mittwoch 25. März 2015, 09:24

Sophus hat geschrieben:Aber was ist mit jemanden, der ein armer Student ist, und gerade mal so viel Geld hat um die Monate geradeso zu bestreiten? Der arme Student schreibt in seiner Freizeit eine Software, veröffentlicht das unter die GPL-Lizenz. Dein Programm ist kaum bekannt, weil es noch sehr neu ist. Nun kommt Firma x oder Person x, schnappt sich den Code, missachtet die Lizenz, modifizieren das Projekt und verkauft es dann als ihr komplett eigenes. Es kann zum Beispiel eine Firma sein, die schon recht bekannt ist. Und nun kommst du daher und sagst "Firma x hat mir mein Code geklaut". Erst einmal würde man sich lächerlich machen. Und der nächste Schritt ist dann der Rechtsstreit. Wenn die Firma recht mächtig ist, würden sie dir mächtig viele Anwälte schicken, der Prozess würde sich ewig in die Länge ziehen und am Ende ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du "versagst", und somit wurde dir was geklaut.
Zum Glück sieht die Realität heute etwas anders aus! In der Industrie sollte man den Unterschied im Rechtsstatus zwischen Open Source und Public Domain zumindest kennen. Das alleine schützt zwar nicht vor dreisten Dieben, schafft aber eine gewisse Rechtssicherheit. Dabei entscheidet im wesentlichen immer die Eindeutigkeit der Urheberschaft und deren Nachweis den jeweiligen Rechtsstreit. Das tollste am Internet hierbei ist, daß es nichts "vergißt", das ist seit Mitte der 90er Jahre bei Wirtschaftsprozessen ein entscheidender Faktor. Da würde selbst ein großes Unternehmen es sich zweimal überlegen jemanden übers Ohr zu hauen, allein schon der negativen Publicity wegen.

Professionelles Reengineering hingegen ist dabei eine ganz andere Geschichte, sie ist unter bestimmten Voraussetzungen grundsätzlich legal, und zwar bei Hardware wie Software. Daher ist heute nicht jedes Produkt wirklich dauerhaft schutzfähig, aber damit muß die Wirtschaft leider leben.
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Mittwoch 25. März 2015, 10:10

Sophus hat geschrieben:Der arme Student schreibt in seiner Freizeit eine Software, veröffentlicht das unter die GPL-Lizenz. Dein Programm ist kaum bekannt, weil es noch sehr neu ist. Nun kommt Firma x oder Person x, schnappt sich den Code, missachtet die Lizenz, modifizieren das Projekt und verkauft es dann als ihr komplett eigenes.
Ist der Code des armen Studenten wirklich so gut, dass das geht? Die Realität ist doch, die meisten Entwickler finden sich nur in ihrem eigenen Code zurecht und haben große Mühe fremden Code zu verstehen. Was ist nun für die Firma günstiger, die das Programm als eigenes rausbringen will, eigene Leute an den Code zu lassen oder den armen Studenten?
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Mittwoch 25. März 2015, 13:21

CodeGarden hat geschrieben:In der Industrie sollte man den Unterschied im Rechtsstatus zwischen Open Source und Public Domain zumindest kennen.
Und als Deutscher sollte man wissen, dass es Public Domain nicht gibt.

@Sophus: Recht ist gleich Recht. Das Problem ist, dass es einen Unterschied gibt zwischen Recht _haben_ und Recht _durchsetzen_. Da das in den allermeisten Faellen Zivilrecht ist (eben solange es kein Betrug ist), wird letzteres sehr teuer.
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Mittwoch 25. März 2015, 16:19

Hallo Leute,

es geht zunächst einmal weniger darum wie gut oder wie schlecht das Programm eines Entwicklers ist. Für mich ist der Gedanke an freie Software recht neu. Ich bin ein blutiger Anfänger in Python. Ich lerne gerne Python kennen. Und in diesem Zusammenhang kommt man dem Gedanke der freien Software wesentlich stärker in Berührung. Vorher nahm man es eher beiläufig mit wie "Oh, ich habe eine freie Software auf meinem Rechner. Jetzt sitzt man quasi im selben Boot. Ich will auch unterstreichen, dass ich ein Freund von GPL bin. Ich mag deren Philosophie. Und ich behaupte auch, dass ohne GPL Linux so wie heute nicht geben würde, wenn Linux zum Beispiel unter BSD wäre. Denn in BSD zeigt sich ja die Tendenz, dass dort gerne Code geschnappt werden, und am das Produkt verkauft wird. Das ist ja rechtlich auch alles legal.

Mir ist auch klar, dass Unternehmen die Lizenzen und den Rechtsstatus wissen sollte. Wäre ja ziemlich unvorteilhaft, wenn nicht. Das heißt aber nicht, das alle Firmen sich streng daran halten. Wie sagt man so schön? Jeder hat Leichen im Keller. Wer nun wie viel, das vermag ich nicht weiter zu diskutieren.

Alles was ich mache, ist, ein Szenario im Kopf durch zu spielen. In kompilierten Sprachen hatte man einen kleineren Schutz gehabt, dass der Code erst einmal mit etwas Mehraufwand dekompiliert werden muss. Und sich dann im Code durchfuchsen muss. Aber bei freier Software legt man nun alles direkt offen.

Und hier in diesem Foren sind wirklich sehr viele Python-Genies. Und wenn einer von euch mal eine richtig gute Idee habt, dann werden andere Personen vor allem auch kapitalistische Firmen neugierig wie derjenige das gelöst hat. Und wenn die Person finanziell auch recht mittellos ist, unbekannt, dann lässt sich leichter über die Lizenzen und Gesetze hinwegsehen. BlackJack hat das mit der Veröffentlichung angesprochen. Ich zum Beispiel habe ein Konto in BitBucket, aber dort ist noch keine Zeile Code von mir. Gut, ich vertreibe ja auch nichts. Aber dennoch kostet ein Rechtsstreit jede Menge Geld.

Denn nicht ohne Grund werden die meist anderen Programme insgeheim programmiert, und der Quelltext bleibt geheim.
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