Langweilige Methodenüberschreibung

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helduel
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Beitragvon helduel » Mittwoch 8. April 2009, 20:45

Goswin hat geschrieben:(1) Wie unterscheide ich, ob ein Objekt X eine Metaklasse ist oder nicht?

Normalerweise wäre X von type abgeleitet, aber das muss es nicht. Wirklich wichtig ist, dass die "Metaklasse" mit drei Parametern (Name, Basisklassen, Classdict) aufgerufen werden kann. Damit es wenigstens etwas Sinn macht, sollte das zurückgegebene Objekt ebenfalls aufrufbar ("instanzierbar") sein. Wenn das der Fall ist, dann kann man dieses "Ding" ansatzweise wie eine Metaklasse benutzen.

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def foo(name, bases, attrs):
    def bar():
        return "FOOBAR"
    return bar

class X(object):
    __metaclass__ = foo

X
# <function bar at ...>
x = X()
x
# 'FOOBAR'

Damit es aber sinnvoll wird, sollte die Metaclasse von type erben und natürlich das Metaklassen-Protokoll implementieren. Dann kann man etwas Metamagic betreiben.

(2) Ist das "object", von dem alle anderen Klassen und sogar type erben (siehe type.__mro__), nun eine Metaklasse oder nicht?


Nein. Wenn sie es wäre, dann könnte man "__metaclass__ = object" schreiben. Aber das geht nicht, weil object keine Argumente akzeptiert.

type und object sind sehr speziell. Sie hängen voneinander ab. type ist eine Instanz von sich selbst und gleichzeitig eine Unterklasse von object. object hat keine Superklassen, ist aber eine Instanz von type (das eine Instanz von object ist). Ganz schön kompliziert. Ist aber völlig egal. Das hilft uns nicht wirklich weiter. Fakt ist: type ist eine Metaklasse, da deren Instanzen Klassen sind. object ist eine Instanz von type und dadurch eine Klasse und ist die superste Superklasse, die es in Python gibt :-). (Ich red hier nur von new style classes.)

(3) Erben Metaklassen manchmal ausschließlich von gewöhnlichen Klassen (siehe type.__mro__)?


Ja, siehe type, welches von object erbt. Gut, es erbt auch von sich selbst. Aber schau mal:

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class NoType(object):
    def __new__(metacls, name, bases, attrs):
        return type(name, bases, attrs)

class X(object):
    __metaclass__ = NoType

X
# <class '__main__.X'>
x = X()
x
# <__main__.X object at 0xb7d9228c>

Metaklassen müssen also nicht von type erben, um irgendwie als Metaklassen zu dienen. Aber wenn du Metaklassen mit all ihren Fähigkeiten nutzen willst, kommst du nicht umhin, von type zu erben. Oder in der "Metaklasse" eine Instanz einer Klasse, die von type erbt, zurückzugeben.

Gruß,
Manuel
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Beitragvon DasIch » Mittwoch 8. April 2009, 20:51

Eine Metaklasse kann jedes beliebige Objekt sein welches 3 Argumente entgegen nimmt. Deswegen gehen auch so lustige Sachen wie:

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In [1]: def foo(*args):
   ...:     return 'Hello, World!'

In [2]: class Foo(object):
   ...:     __metaclass__ = foo

In [3]: Foo
Out[3]: 'Hello, World!'

Metaklassen sind die mächtigere, seltsamere und komplizierte Alternative zu Dekoratoren.
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helduel
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Beitragvon helduel » Mittwoch 8. April 2009, 21:12

DasIch hat geschrieben:Eine Metaklasse kann jedes beliebige Objekt sein welches 3 Argumente entgegen nimmt. Deswegen gehen auch so lustige Sachen wie:

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In [1]: def foo(*args):
   ...:     return 'Hello, World!'

In [2]: class Foo(object):
   ...:     __metaclass__ = foo

In [3]: Foo
Out[3]: 'Hello, World!'


Vielleicht noch zur Ergänzung. Das obige Beispiel ist das gleich wie:

Code: Alles auswählen

Foo = foo("Foo", (object,), {})

Da wird einem erst richtig klar, warum Foo plötzlich ein String ist und keine Klasse.

Gruß,
Manuel
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Goswin
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Beitragvon Goswin » Dienstag 14. April 2009, 13:46

Was mache ich hier falsch?

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foobuch = {}
for op in ('__add__','__mul__'):
  def foo(x):
    assert isinstance(x,int)
    return x.op(2)
  foobuch[op[2:-1]+'2'] = foo

print foobuch #alles ok
print foobuch[add_2](5) #FALSCH
print foobuch['add_2'](5) #FALSCH


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isdifficult('python')==True #*seufz*
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Beitragvon EyDu » Dienstag 14. April 2009, 13:53

Weil x ein Integer ist und kein Attribut "op" hat. Steht auch in der Fehlermeldung.

Code: Alles auswählen

foobuch = {}
for op in ('__add__','__mul__'):
  def foo(x):
    assert isinstance(x,int)
    return getattr(x, op)(2)
  foobuch[op[2:-1]+'2'] = foo

print foobuch #alles ok
print foobuch[add_2](5) #FALSCH
print foobuch['add_2'](5) #FALSCH
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Beitragvon audax » Dienstag 14. April 2009, 13:59

Du rufst mit "x.op(2)' immer die Methode "op" des Objektes "x" mit dem
Parameter 2 auf. Nicht deine Absicht, oder?

So könnte man das machen:
http://paste.pocoo.org/show/112480/
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Beitragvon Goswin » Dienstag 14. April 2009, 14:24

Vielen Dank erstmals!

Ich bleibe am Ball und versuche, eure Vorschläge zu verstehen, was allerdings eine Weile dauern wird.

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isdifficult('python')==True #*seufz*
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Beitragvon EyDu » Dienstag 14. April 2009, 14:52

Vielleicht als kleine Hilfe: Wenn du auf ein Attribut mittels

Code: Alles auswählen

x.attr


zugreifst, dann darfst du dir "attr" nicht als eine Variable vorstellen, denn "attr" ist hier ein Name. Andernfalls könntest du (unbeabsichtigt) sehr seltsame Effekte erzeugen.
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Beitragvon Dauerbaustelle » Dienstag 14. April 2009, 21:00

Zum Thema: Gibt es eine Möglichkeit, dem Interpreter mitzuteilen, er möge doch für jede Operation den Wert aus einer Funktion nehmen? Dann müsste man für solche Sonderklassen nicht jede Operation implementieren.
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Beitragvon EyDu » Dienstag 14. April 2009, 22:20

Klar: "__getattr__", bzw. "__getattribute__" oder mittels Vererbung und natürlich Metaklassen.
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Beitragvon str1442 » Dienstag 14. April 2009, 23:25

Sofern die Funktionen entsprechend kompatibel sind, kannst du auch im Namensraum der Klasse jeder gewünschten "magic method" mittels einfacher Zuweisung die Funktion zuteilen. Das erste Attribut wird dann als "self" interpretiert. Funktioniert natürlich nicht bei zb Funktionen aus dem Operator Modul, aber es kommt natürlich auf deine Funktion (oder eine entsprechende Methode der Klasse) an.
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Beitragvon Dauerbaustelle » Mittwoch 15. April 2009, 01:31

EyDu hat geschrieben:Klar: "__getattr__", bzw. "__getattribute__" oder mittels Vererbung und natürlich Metaklassen.

Wie soll das aussehen?
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Beitragvon EyDu » Mittwoch 15. April 2009, 10:27

Hier im Forum und über Google lassen sich dutzende Beispiele finden.
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