"Bundestrojaner" nun auch in Österreich

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Rebecca
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Freitag 19. Oktober 2007, 09:25

Imperator hat geschrieben:Da haste schon recht. Aber ist das heute so?
Wir haben jetzt ein halbes Jahrhundert in einer sehr stabilen und auch sehr guten Demokratie gelebt. Wir duerfen uns aber davon nicht einlullen lassen: Demokratie ist kein stabiles Gleichgewicht. In den letzten Jahren haben zum Beispiel rechte Parteien immer haeufiger Wahlerfolge. Moechtest du solchen Parteien all die schoenen Ueberwachungsinstrumente in die Hand geben?
Imperator hat geschrieben: Und jetzt nem mal an es gibt einen Terroranschlag. Der Bundestrojaner wurde aufgrund eures Wiederstandes doch nicht eingeführt, und es sterben Mitbürger von euch. Durch den Bundestrojaner hätte er verhindert werden können. Hättet ihr da kein schlechtes Gewissen?
Mit diesem Argument kannst du alles rechtfertigen. Folter, Zwangsorganspende, von Terroristen gekaperte Zivilflugzeuge abschiessen, lebenslaeanglich mit Sicherheitsverwahrung fuer *alle* Straftaeter etc.

Alle reden uns zwar Angst vor dem Terror ein und versuchen so, technische Massnahmen zu rechtfertigen. Die bewaehreten Massnahmen, die wirklich helfen, sind aber anscheinend zu unpopulaer. Warum wird bei der Polizei Personal abgebaut? Es ist schliesslich die Polizei, die Verbrechen bekaempft! Ich fuehle mich mit Polizisten sicherer als mit Kameras. Warum beim THW? Warum gibt es momentan keine Moeglichkeit, die Bevoelkerung im Katastrophenfall flaechendeckend zu warnen (Sirenen)? Etc. Das ist leider nur zu oft der Fall: Es wird eher nach neuen Gesetzen geschrien, als die vorhandenen Moeglichkeiten voll auszuschoepfen. Ist wahrscheinlich medienwirksamer. :roll:

Die Gewerkschaft der Polizei spricht sich uebrigens auch gegen viele der geplanten Ueberwachungsmassnahmen aus. Von vielen ist naemlich nachgewiesen, dass sie fast gar nichts bringen. Jemand sagte mal so schoen: "Wir suchen jetzt schon nach der Nadel im Heuhaufen, es bringt nichts, wenn wir noch Heu hinzukippen."

Das Problem ist auch, dass bestimmte Dinge, wenn sie erstmal in den Bereich des Moeglichen ruecken, Begehrlichkeiten wecken. Die Mautbruecken waren am Anfang nur zur Mauteintreibung gedacht, das wurde uns hoch und heilig versprochen, nun will man sie auch zur Verbrechensbekaempfung nutzen. Das Bankegeheimnis wurde im Namen des Terrors aufgeweicht, nun werden damit Sozialhilfeempfaenger ueberwacht. Usw. Es ist naiv zu glauben, dass die Online-Untersuchung sich auch in Zukunft auf "10 bis 20 Leute im Jahr" beschraenken wird. Bei einer heimlichen Untersuchung kann das ja niemand nachpruefen!

Und ja, ich habe Dinge auf meiner Festplatte zu verbergen. Das sind sehr persoenliche Dinge, die niemanden ausser mich etwas angehen: Wuensche, Gedanken, Krankheiten, Hobbies, sexuellen Neigungen, Zukunftsplaene, politische Meinungen etc.

Zum Abschluss noch ein Zitat:
"Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik
bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu
bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische
Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.
... das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht
werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man
braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen,
und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu
behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode
funktioniert in jedem Land."
- Hermann Göring

Aus: Nürnberger Tagebuch / von G.M. Gilbert. Ehemaliger
Gerichts-Psychologe beim Nürnberger Prozess gegen die
Hauptkriegsverbrecher. S. 270. Aus dem Amerikanischen übertragen von
Margaret Carroux - Fischer: Frankfurt a.M., 1962. - 455 S.
Das war aufs dritte Reich bezogen, ist aber immer noch erschreckend aktuell.
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gerold
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Freitag 19. Oktober 2007, 10:25

Hallo Rebecca!

Es gibt etwas, was mich stört:

Warum hat sich die Piratenpartei diesen verdammten Namen gegeben? Ist denen wirklich nichts besseres eingefallen? Sind das alles Mädchen, die glauben, das Piratenleben sei romantisch?

Piraten sind immer noch Menschen, die einen Scheißdreck auf das Leben und die Werte anderer geben. Sie sind Diebe, Räuber, Mörder. Nicht Liebe prägt deren Leben, sondern Sklaverei und die Gier, anderen ihr mühsam erarbeitetes Gut abzunehmen.

LEGT EUCH EINEN ANDEREN NAMEN ZU!!!

lg
Gerold
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C4S3
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Freitag 19. Oktober 2007, 10:28

Ich vermute, es hat etwas mit dem Ausspruch von Steve Jobs in den Anfangstagen von Apple zu tun, als die LISA und Macintosh entwickelt haben.
Er selbst hat damals zu seinen Leuten gesagt: "Let us be pirates" und Piratenflaggen in den Büros aufgehängt.

Trotzdem gebe ich dir recht: es hat einen komischen Beigeschmack und die Leute in meiner Umgebung reagieren irritiert, wenn sie hören, ich sei "Mitglied der Piratenpartei". Ob's der Ernsthaftigkeit zuträglich ist, weiß ich nicht. :?
Gruß!
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BlackVivi
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Freitag 19. Oktober 2007, 10:31

Viele Leute schauen mich auch komisch an, wenn ich von der "Piratenpartei" rede. Sie denken dabei tatsächlich etwas negatives, Leute die das Internet benutzen denken meistens auch noch an Raubkopierer. Man muss es einfach so sehen:

Der Staat versucht uns alle zu kriminalisieren. Schon bei kleineren Sachen wie einem privaten Austausch von Musikdateien (sprach BlackJack an) sind wir illegal und somit Piraten. Die Partei ist für die Piraten, deswegen Piratenpartei. Gegen die Kriminalisierung des kleinen Manns usw...

Wenn man's so sieht, verstehen das die meisten Leute auch.
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Freitag 19. Oktober 2007, 10:44

Na ja, unlängst war ich bei einer Demo gegen Rechts. Ziemlich viele Leute, aber gesprochen wurde hinterher fast nur über den "schwarzen Block", der auch mitmarschierte. Diese Leute haben ziemlich abstruses Zeug erzählt und waren halt viel lauter als die "bürgerlichen Kräfte". Selbst unser OB (SPD) ist ziemlich untergegangen. Fazit: Man muß sich sehr viele Gedanken machen wie die Außenwirkung einer Organisation ist, denn die niemand kennt immer alle Hintergründe und es ist wohl so, daß Gerüchte mehr abschrecken, als Tatsachen anziehen.
Das nur mal so als mäßige Erläuterung von Gerolds Ausruf ;-).
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Freitag 19. Oktober 2007, 11:19

gerold hat geschrieben:Piraten sind immer noch Menschen, die einen Scheißdreck auf das Leben und die Werte anderer geben. Sie sind Diebe, Räuber, Mörder. Nicht Liebe prägt deren Leben, sondern Sklaverei und die Gier, anderen ihr mühsam erarbeitetes Gut abzunehmen.

LEGT EUCH EINEN ANDEREN NAMEN ZU!!!
Nein, ich denke es ist eher als Anspielung auf die bösen, bösen Software"piraten" die ihre "Raub"kopien nutzen und der armen Medienindustrie nichts von ihrem Geld schenken. Wenn man Piraterei in ihrem ursprünglichen Ziel sieht hast du schon irgendwie recht.

Wobei.. guck dir das Logo der Sea Shepherd an.
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BlackJack

Freitag 19. Oktober 2007, 11:32

Zum Thema "Piraten" habe ich mal ein nettes Zitat aus der englischsprachigen Python-Newsgroup in meine Sammlung aufgenommen:
Please call it what it is: copyright infringement, not piracy. Piracy takes place in international waters, and involves one or more of theft, murder, rape and kidnapping. Making an unauthorized copy of a piece of software is not piracy, it is an infringement of a government-granted monopoly.

─ Steven D'Aprano, c.l.python
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Rebecca
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Freitag 19. Oktober 2007, 11:42

Genauso wie "Raubkopieren", was mit Raub (jemandem etwas wegnehmen und ihn dabei koeprlich angreifen) nix zu tun hat...

@"Piratenpartei": Die Diskussion wurde innerhalb der Partei schon zu genuege gefuehrt. Am Anfang habe ich ihn auch recht kritisch gesehen. Aber anderseits: "Partei fuer informationelle Selbstbestimmeung" oder was auch immer klingt wie "yet another party" und ist sofort wieder vergessen. Und Piraten werden nunmal in unserer Gesellschaft romantisiert, nicht nur bei Maedchen, die fuer Johnny Depp schwaermen. :wink:
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gerold
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Rebecca hat geschrieben:...nicht nur bei Maedchen, die fuer Johnny Depp schwaermen. :wink:
:mrgreen:
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Also das mit den Sicherheitskopien macht mich jetzt doch nachdenklich. Und auch ein paar Argumente von Rebecca. Na ja, man wird ja sehen obs sich bewährt. Dann kann man immer noch urteilen.
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jens
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