deutsch vs english vs denglish

Alles, was nicht direkt mit Python-Problemen zu tun hat. Dies ist auch der perfekte Platz für Jobangebote.
DasIch
User
Beiträge: 2478
Registriert: Montag 19. Mai 2008, 04:21
Wohnort: Berlin

Freitag 4. September 2015, 20:57

Wenn du in einer Informatik Lesung sitzt und einen Prof hast der anfängt von Funktionalen, Feldern und Kellerspeichern zu reden, wird dir sehr schnell auffallen dass Denglisch gar nicht mal so schlimm ist.
Benutzeravatar
Sophus
User
Beiträge: 1105
Registriert: Freitag 25. April 2014, 12:46
Wohnort: Osnabrück

Freitag 4. September 2015, 21:09

@DasIch: Wenn ich weiß, dass jemand in seiner Sprache - sowohl in der Theorie als auch in der Praxis - mächtig ist, dann verzeihe ich der Person auch. Ich sehe dann darüber hinweg, eben weil ich weiß, dass er/sie seine/ihre Sprache sonst pflegt. Und einem Professor gestehe ich sowas durchaus zu. Wobei ich auch Professoren in einigen Vorlesungen und/oder Seminaren erlebt habe, wo ich dann dachte "Was zum Geier....?".

Wie gesagt, die Grundidee begrüße ich. Englisch ist eine weit verbreitete Sprache. Wenn man sich also auch mit anderen Menschen unterhalten will, ist englisch ein muss. Jedoch keine halbherzigen Sachen. Entweder richtig oder gar nicht. Die Meisten können nicht mal richtig deutsch, wollen aber schon mit englisch loslegen. Hä? Und wenn ich dann sehe, dass in einem deutschen Satz englische Wörter als "Hilfsmittel" herangezogen werden, dann muss ich doch weinen. Die deutsche Sprache ist eine wunderbare und sogar eine ausgereifte Sprache. Manchmal habe ich eher den Eindruck, man ist sowohl im Englischen als auch im Deutschem total schlecht, und versucht zu kompensieren, indem man englisch und deutsch zusammenwürfelt. Und raus kommt dabei der Eindruck, als sei man in beiden Sprachen nicht ganz auf der Höhe.
Üpsilon
User
Beiträge: 189
Registriert: Samstag 15. September 2012, 19:23
Wohnort: Altschauerberg 8 in 91448 Emskirchen

Freitag 4. September 2015, 22:13

@Sophus Ja, aber im Deutschen gibts oft verhältnismäßig lange Wörter, zB "Zeichenkette" oder "Ganzzahl". Auf Englisch wären das string und integer, und dafür gibt es auch noch gebräuchliche Abkürzungen: str und int. Außerdem ist Englisch nun mal Sprache der Informatik und viele Fachbegriffe sind halt auf Englisch, und wenn man die ins Deutsche übersetzt, versteht man am Ende selbst nicht so genau, was man meint. Beispiele: Canvas = Leinwand, Button = Schalter, Layout = Legaus, Screen = Bildschirm, Shader = Schattierer, LinkedList = Verkettete Liste, Plot = Schaubild, Surface = Oberfläche, UI = Nutzerschnittstelle.

Also ich schreibe meine Programme jedenfalls meistens auf Deutsch. Veröffentlichen tu ich meine Programme sowieso nie, höchstens manchmal hier im Forum. Aber dieses zwanghafte Deutschtum ist halt absurd und unpraktisch. Spätestens, wenns an Animationen geht, braucht man sowieso englische Bezeichner. Mit dem Deutsch bin ich scheinbar tatsächlich der Einzige, sogar meine deutschen Mitschüler schreiben ihre Programme auf Englisch.

PS: Das Verb "coden" im Deutschen klingt übrigens scheiße und fällt in die Kategorie "unnötige Anglizismen". Jedenfalls hat das der Chief Executive Officer letztens beim Brainstorming gesagt.
PS: Die angebotene Summe ist beachtlich.
Benutzeravatar
Sophus
User
Beiträge: 1105
Registriert: Freitag 25. April 2014, 12:46
Wohnort: Osnabrück

Freitag 4. September 2015, 22:32

@Üpsilon: Jedes Fach hat seine Begriffe. In der Philosophie spricht man abstrakter und verwendet gern lateinische Wörter, in Mathematik oder in Physik unterhält man sich in Formeln. Und in anderen Fächern gibt es französische und englische Begriffe. Alles legitim. Dagegen sage ich auch nichts. Und das ein Quelltext (nicht Code oder Quellcode) auf Englisch geschrieben wird, kann ich sehr gut nachvollziehen. Was mich nur stört, ist die Tatsache, dass alle nach der englischen Sprache schreien, aber es selbst nicht wirklich beherrschen. Hier und da paar Floskeln wie "I love you" oder was auch immer, und dann warst auch schon. Damit komme ich einfach nicht zurecht. Da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Es ist selten, dass man jemanden antrifft, der/die sowohl seine/ihre Muttersprache als auch eine Fremdsprache tadellos beherrscht. Aber beide Sprachen gleichzeitig zu vergewaltigen, dass grenzt schon an Wahnsinn und Unsinn zugleich.

Und ich sage und schreibe heute noch "Schaltfläche" statt "Button", oder "Zeichenkette" statt "String". Ich weiß ja im Hinterstübchen, dass "Schaltfläche" "Button" heißt. Und zu "UI" sage ich immer Benutzerschnittstelle oder Benutzeroberfläche. Ich empfinde nichts Verwerfliches daran. Keine Ahnung, weshalb viele so tun, als seien das anormale Wörter.
BlackJack

Freitag 4. September 2015, 22:43

@Üpsilon: Layout = legaus? Seriously? Anordnung oder Aufteilung wären da eher die deutschen Worte für.
nezzcarth
User
Beiträge: 586
Registriert: Samstag 16. April 2011, 12:47

Freitag 4. September 2015, 22:45

Sophus hat geschrieben:Die Meisten können nicht mal richtig deutsch, wollen aber schon mit englisch loslegen. Hä? Und wenn ich dann sehe, dass in einem deutschen Satz englische Wörter als "Hilfsmittel" herangezogen werden, dann muss ich doch weinen. Die deutsche Sprache ist eine wunderbare und sogar eine ausgereifte Sprache. Manchmal habe ich eher den Eindruck, man ist sowohl im Englischen als auch im Deutschem total schlecht, und versucht zu kompensieren, indem man englisch und deutsch zusammenwürfelt. Und raus kommt dabei der Eindruck, als sei man in beiden Sprachen nicht ganz auf der Höhe.
Wenn es "wunderbare und [...] ausgereifte" Sprachen gibt, muss es ja auch solche geben, die das nicht sind. Funktional gesehen sind alle Sprachen gleichwertig. Ich finde die Formulierung daher unglücklich...

Lass die Leute doch einfach reden und schreiben wie sie wollen. Bei Sprache gibt es kein "richtig" oder "falsch". In dem Rahmen, um den es hier geht, sind das fast immer Geschmacksurteile, die keine wissenschaftliche Basis haben. Stattdessen stecken dahinter meiner Einschätzung nach vor allem soziologische Phänomene, da sprachliche Normen hier als Abgrenzungsmechanismen verwendet werden.
Benutzeravatar
MagBen
User
Beiträge: 789
Registriert: Freitag 6. Juni 2014, 05:56
Wohnort: Bremen
Kontaktdaten:

Samstag 5. September 2015, 08:43

Es gibt Fachbegriffe, die sind im Englischen eindeutig, im Deutschen aber nicht, z.B. wird in der 3D-Grafik eine Oberfläche aus vertices, faces und edges aufgebaut. Wenn Du diese Fachbegriffe übersetzt, dann wirst Du nicht mehr verstanden. Das Konzept Fachbegriffe nicht zu übersetzen gehört übrigens seit vielen hundert Jahren zur deutschen Sprache.

Blöd ist nur, wenn im Deutschen englisch klingende Begriffe benutzt werden, die im Englischen aber etwas völlig anderes bedeuten (z.B. Handy).
a fool with a tool is still a fool, www.magben.de, YouTube
BlackJack

Samstag 5. September 2015, 09:16

@MagBen: Kanten und Knoten/Ecken und (Seiten)Flächen sind jetzt nicht wirklich uneindeutig sondern durchaus gängige Begriffe in der Geometrie, wo das ja her kommt und auch viel älter als rechnergestützte 3D-Grafik ist. Gerade wenn die Fachbegriffe aus der Mathematik kommen gibt es oft deutsche Alternativen zum englischen Begriff.

Es sind eigentlich eher neuere Begriffe die auch im Englischen „neu erfunden“ beziehungsweise mit einer neuen, zusätzlichen Bedeutung versehen wurden, wofür es dann keine eingängige deutsche Übersetzung gibt. „Cloud“ beispielsweise würde ich jetzt nicht mit „Wolke“ übersetzen weil diese neue Wortbedeutung vorher nicht im deutschen existierte. Andererseits könnte man es so übersetzen um den Gebrauch zu etablieren, und damit mehr Leute über den Begriff selbst nachdenken. Ich habe nämlich festgestellt das nicht wenige die englischen Fachbegriffe benutzen ohne sich über das Wort selber Gedanken zu machen, es also nicht auch mal versuchen zu übersetzen um zu sehen welche Konnotationen da noch so dran hängen. So etwas nicht greifbares, nebulöses, und flüchtiges dem man seine Daten anvertrauen soll, im Falle der „Cloud“. :-)
Benutzeravatar
Sophus
User
Beiträge: 1105
Registriert: Freitag 25. April 2014, 12:46
Wohnort: Osnabrück

Samstag 5. September 2015, 16:33

@MagBen: Das wir Deutschen auch noch englisch klingende Wörter ausdenken oder gar englische Sätze, die es nicht mal im Englischen gibt, wie Public Viewing oder der Spruch in jedem Imbiss "Coffee to go". Wenn man mit Public Viewing wirklich meint, dass man einen öffentlichen Leichenschau betreiben will. Und wenn man Kaffee zum Mitnehmen meint, dann doch eher "Coffee to take out". Genauso wenn viele glauben, dass Wort Mobbing bedeutet was schlechtest, der hatte noch kein Englisch. Es gibt eine ganze Reihe von Wörtern, die wir Deutschen falsch interpretieren.

Aber machen wir uns es zu einfach, MagBen? Ich meine, immer diese fadenscheinige Ausreden, nicht alles ließe sich ins Deutsche übersetzen, und dann selbstsicher die Arme verschränken? Es gibt zum Beispiel für "Cloud", wie BlackJack ansprach, keine direkte Übersetzung. Aber damit wir wissen, wovon hier überhaupt die Rede ist, müssen wir so oder so übersetzen. Ich nenne das für mich "Internet-Festplatte". Klingt etwas albern, ich weiß. Man darf seine Muttersprache ruhig pflegen und hegen.
BlackJack

Samstag 5. September 2015, 16:44

@Sophus: Internet-Festplatte triffts aber nur zum Teil weil „in der Cloud“ ja auch gerechnet wird und Dienste angeboten werden.
Benutzeravatar
Sophus
User
Beiträge: 1105
Registriert: Freitag 25. April 2014, 12:46
Wohnort: Osnabrück

Samstag 5. September 2015, 16:51

@BlackJack: Dann "Internet-Festplatte mit Dienstangebote"?
Benutzeravatar
MagBen
User
Beiträge: 789
Registriert: Freitag 6. Juni 2014, 05:56
Wohnort: Bremen
Kontaktdaten:

Samstag 5. September 2015, 17:26

Sophus hat geschrieben:Aber machen wir uns es zu einfach, MagBen?
Darum geht es, es möglichst einfach zu machen.
Der Mediziner sagt Femur und nicht Ober-Schenkel-Knochen. Der Musiker hat Begriffe wie Adagio, wenn er das Tempo beschreiben will, pardon ich meinte Geschwindigkeit.
a fool with a tool is still a fool, www.magben.de, YouTube
Benutzeravatar
Sophus
User
Beiträge: 1105
Registriert: Freitag 25. April 2014, 12:46
Wohnort: Osnabrück

Samstag 5. September 2015, 17:37

Für mich sind Begriffe wie "Geschwindigkeit" oder "Oberschenkelknochen" wesentlich einfacher. Oder siehst du das anders? Wieso soll ich mir also zusätzlich irgendwelche Fach-Chinesische-Begriffe aneignen, wenn es auch einfacher geht?
Benutzeravatar
MagBen
User
Beiträge: 789
Registriert: Freitag 6. Juni 2014, 05:56
Wohnort: Bremen
Kontaktdaten:

Samstag 5. September 2015, 17:52

Sophus hat geschrieben:Wieso soll ich mir also zusätzlich irgendwelche Fach-Chinesische-Begriffe aneignen,
Es gibt (noch) kein Fach-Chinesisch, bis jetzt gibt es nur Fach-Europäisch und Fach-Amerikanisch.
a fool with a tool is still a fool, www.magben.de, YouTube
Benutzeravatar
cofi
Moderator
Beiträge: 4432
Registriert: Sonntag 30. März 2008, 04:16
Wohnort: RGFybXN0YWR0

Samstag 5. September 2015, 17:59

Weil Fachbegriffe die Sprache der Fachleute sind. Das Ziel ist nicht, dass sie es fuer _alle_ einfacher machen, sondern fuer die Zielgruppe.

Worte haben mehrere Bedeutungen, das macht sie unpraezise und erschwert fachliche Diskussionen. Das beste Beispiel ist die Medizin, aber auch Informatiker haben Bedarf an Fachbegriffen.
Wenn du es so willst sind Deutsch und Englisch nur Basissprachen fuer das drumherum und die wesentliche Diskussion findet in der Fachsprache statt. Die Fachsprache ist eben eine domaenen spezifische Sprache, eine Domain Specific Language (DSL).

Edit: Und wenn du schon davon redest was fuer dich grausam ist: Fuer mich ist eine normative Herangehensweise an die Linguistik grausam. Sprache ist ein Kulturgut. Nein, nicht ein kultiviertes Gut, das man hoch halten und verehren muss, sondern ein Produkt der Kultur. Kultur ist wandelbar und dem Zeitgeist unterworfen, wenn man Sprachpolizei spielen will macht man sich nur laecherlich.
Antworten