Sinn von Intelligenztests?

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template
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Freitag 5. September 2014, 07:49

Hallo zusammen,

was ich nicht verstehe: Ein Elementarer Teil von Intelligenztests ist immer die Notwendigkeit bestimmter Fähigkeiten. Z.b. Setze aus Buchstaben ein Wort zusammen oder ergänze fehlende Buchstaben in einem Satz. Teilweise ist die Anwendung dieser Fähigkeit auch notwendig, um zum Beweis einer anderen Fähigkeit zu kommen nämlich: Welches dieser Wörter passt nicht zum anderen, wobei die Buchstaben durcheinander sind.

Um jetzt den "Beweis" dass ich weis welches Wort nicht zu den anderen passt überhaupt antreten zu können, muss ich also erst einmal "beweisen, dass ich aus dem Buchstabensalat ein Wort zusammenbauen kann. Aber aus einem Buchstabensalat ein Wort zu bauen ist doch nun wirklich keine konstate Eigenschaft. Das lässt sich ja trainieren. Wenn ich jetzt jemand, der eine Aufgabe dieser Art zum ersten mal überhaupt macht mit jemanden vergleiche, der vielleicht häufiger Spiele gespielt hat, bei dem diese Aufgabe benötigt wurde vergleiche, was hab ich jetzt davon? Was beweist dass? Ich meine jemand der jeden Tag Glücksrad schaut oder vielleicht sogar am PC selber spielt wird beim Einsetzen von fehlenden Buchstaben in einen Satz mit Sicherheit besser abschneiden als jemand, der sowas zum ersten mal macht. Wieso sollte ich dem Glücksrad Fanatiker irgendeine Form von Intelligenz zusprechen?

Durch mein langjähriges programmieren ist meine Fähigkeit mir Algorithmen zur Problemlösung zu überlegen natürlich sehr ausgeprägt. Bin ich jetzt deswegen intelligenter als jemand, der sowas einfach noch nicht so oft gemacht hat? Auserdem spiele ich ganz gut Klavier. Warum beweist das nicht meine Intelligenz?

Vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung von Intelligenz. Für mich bedeutet Intelligenz die grundlegende Fähigkeit mir andere kognitive Fähigkeiten zu erarbeiten. Wie soll man sowas messen?

Und warum sind die Tests so lastig in eine Richtung wie z.B. Wortschatz? Ich meine ein Mathematik Genie das Sprachlich eine Plaume ist, würde bei einem solchen Test wegen des geringen Wortschatzes versagen. Was soll das für ein Blödsinn sein.

Meiner Meinung nach sind IQ-Tests der jämmerliche Versuch, etwas das nicht auf einfache Weise zu fassen ist in eine schöne Zahl zu packen, damit man diese Sortieren kann. Nur so wird der menschliche Wettbewerbstrieb und die Vergleichbarkeit erfüllt.

Was denkt ihr?
Gruß
template
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Hyperion
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Freitag 5. September 2014, 08:00

template hat geschrieben: Meiner Meinung nach sind IQ-Tests der jämmerliche Versuch, etwas das nicht auf einfache Weise zu fassen ist in eine schöne Zahl zu packen, damit man diese Sortieren kann. Nur so wird der menschliche Wettbewerbstrieb und die Vergleichbarkeit erfüllt.
Ich halte zwar auch nicht viel von solchen Tests, aber prinzipiell würde ich Quantifizierungen und Kategorisierungen nicht als (negativen) "Trieb" abtun. Im Grunde genommen braucht man solche Konzepte ständig und überall. Über die Sinnhaftigkeit im allgemeinen oder auch den Nutzen in speziellen Situationen kann man natürlich vortrefflich streiten :mrgreen:
encoding_kapiert = all(verstehen(lesen(info)) for info in (Leonidas Folien, Blog, Folien & Text inkl. Python3))
assert encoding_kapiert
Sirius3
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Freitag 5. September 2014, 08:18

Weil ich gerade das schöne Buch von C.G. Liungman "Der Intelligenzkult" lese, möchte ich einen Satz zitieren: "Intelligenz ist das, was man mit Intelligenztests mißt". In einer Gesellschaft, die Wert auf den IQ legt, wird Intelligenztests üben und so eine aussagekräftige Zahl bekommen. Eine Gesellschaft, die mehr Wert darauf legt, dass jemand geschickt Gazellen jagen kann, wird das Ansehen ihrer Mitglieder eben an dieser Fähigkeit bemessen. IQ-Tests sind eben wie Fußball, man kann sie zum Teil trainieren aber nicht jeder wird in der ersten Fußballbundesliga spielen können.
Wobei wir in einer Gesellschaft leben, wo Fußballkönnen mehr Ansehen erzeugt als IQ-Können.
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/me
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Freitag 5. September 2014, 08:35

template hat geschrieben:Vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung von Intelligenz. Für mich bedeutet Intelligenz die grundlegende Fähigkeit mir andere kognitive Fähigkeiten zu erarbeiten. Wie soll man sowas messen?

Und warum sind die Tests so lastig in eine Richtung wie z.B. Wortschatz? Ich meine ein Mathematik Genie das Sprachlich eine Plaume ist, würde bei einem solchen Test wegen des geringen Wortschatzes versagen. Was soll das für ein Blödsinn sein
Dieses Thema ist schon häufig von vielen verschiedenen Seiten beleuchtet worden. Es gibt tatsächlich keine zu 100% anerkannte Definition des Begriffs "Intelligenz". Ein IQ-Test kann daher gar nicht alles abdecken was darunter subsummiert wird. Gerne wird Intelligenz unter anderem tatsächlich als "Leistungsfähigkeit bei der Bewältigung unbekannter Aufgaben" definiert.

Bei einem genormten IQ-Test sollte übrigens kein spezieller Fokus auf Mathematik oder Sprache liegen. Internationale Intelligenztests kommen sogar komplett ohne sprachliche Mittel aus. Es gibt dort breitbandige Aufgaben aus Mathematik, räumlicher Vorstellung, Mustererkennung, Logik, Gedächtnis ... Dinge wie die so genannte "emotionale Intelligenz" und Kreativität bleiben bewusst außen vor. Die genannten Aufgaben zeigen aber durchaus, wie gut du in der Lage bist Schlüsse zu ziehen, Zusammenhänge zu erkennen und damit dann im Endeffekt auch neue Aufgaben besser angehen zu können.

Die Frage ist, ob du grundsätzlich akzeptierst, dass die Gehirne unterschiedlicher Menschen auf unterschiedlichem Niveau arbeiten. Ich gehe täglich mit unterschiedlichen Menschen um und stelle dort durchaus deutlich unterschiedliche Niveaus fest. Gewisse logische Schlussfolgerungen die sich dem einen wie selbstverständlich klar werde kann der andere einfach nicht ziehen. Für mich ist das ein Zeichen unterschiedlicher Intelligenz (Das hat übrigens nichts damit zu tun, wie ich mit diesen Menschen persönlich zurecht komme). Diese unterschiedliche Intelligenz lässt sich jetzt meiner Meinung nach mit geeigneten Tests einigermaßen gut einordnen.

Ich zitiere mal: "Trotz der bekannten Unzulänglichkeiten bleiben IQ-Tests das beste Untersuchungsinstrument für die Intelligenz, das uns zur Verfügung steht."

Ich bin übrigens Mitglied bei Mensa und fühle mich dadurch nicht großartig anders. Meine Aussage dazu ist: "Ich bin auf hohem Niveau blöd."
Dami123
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Samstag 6. September 2014, 17:08

/me hat geschrieben: Bei einem genormten IQ-Test sollte übrigens kein spezieller Fokus auf Mathematik oder Sprache liegen. Internationale Intelligenztests kommen sogar komplett ohne sprachliche Mittel aus. Es gibt dort breitbandige Aufgaben aus Mathematik, räumlicher Vorstellung, Mustererkennung, Logik, Gedächtnis ... Dinge wie die so genannte "emotionale Intelligenz" und Kreativität bleiben bewusst außen vor. Die genannten Aufgaben zeigen aber durchaus, wie gut du in der Lage bist Schlüsse zu ziehen, Zusammenhänge zu erkennen und damit dann im Endeffekt auch neue Aufgaben besser angehen zu können.
Das fasst es sehr gut zusammen. Es wird die Leistungsfähigkeit deines Gehirns gemessen. Dieses ist für alle Aufgaben, die keine einstudierte wiederholende Tätigkeit darstellen erforderlich. So hast du mit einen hohen IQ einen Vorteil bei Aufgaben, die Neues und Altes verbinden, logische Schlüsse erfordern und weitere intensive Denkarbeit.
Mit dem IQ kann man sozusagen indirekt messen wie hoch dein Vorteil ist, ohne dabei auf eine bestimmte Tätigkeit einzugehen. So ist es egal, ob du einen Beruf 20 Jahre lang ausübst und gefragter Experte auf dem Gebiet bist, dein IQ kann trotzdem durchschnittlich sein.
Simiklaus
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Samstag 29. November 2014, 14:41

gar kein Sinn, denn diese Variable kann man meiner Meinung nach nicht messen! Genauso wenig wie Kreativität
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