"Bundestrojaner" nun auch in Österreich

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C4S3
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Mittwoch 17. Oktober 2007, 15:40

Hallo Leute!

Tja, nun ist es offiziell, Österreich hat beschlossen in die Fußstapfen unserer Deutschen Nachbarn zu treten und auch den Prozess "Stasi2.0" zu starten. Klar, ich mache mir keine Sorgen um meine Maschinen, irgendwie werd ich mich schon zu wehren wissen.

http://oe1.orf.at/inforadio/82299.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/97510

Und trotzdem regt es mich auf. In Deutschland wird wenigstens Wind um die Sache gemacht. Da wird protestiert. In Österreich geht das per Radio durch den Äther und aus.
Keine sofortigen Protestaktionen der diversen politischen Fraktionen, die sonst immer sofort die Bevölkerung "missionieren" müssen, wenn jemandem Unrecht geschieht. Auch mein bisheriger Lieblingsradiosender (ehemals "Blue Danube Radio" ;) ) befördert sich über kurz oder lang damit ins Aus, wenn da nix mehr kommt.
Ich versteh das einfach nicht. Wenn ich dann jemanden drauf anspreche, heißt es:"Ich habe ja nichts zu verbergen. Mir ist das egal."

Mir ist das nicht egal. Entweder habe ich zuviel George Orwell und Konsorten gelesen oder ich bin paranoid. Aber kann man sich denn mit soviel Gleichgültigkeit seiner Privatsphäre berauben lassen?

Da werden seitens der Politik Sätze gebraucht wie
Die Polizei darf, so Innenminister Platter, die Online-Durchsuchung nur beim Verdacht schwerer bzw. terroristischer Verbrechen einsetzen.
Komisch, dass in Österreich auch Steuerhinterziehung schon ein schweres Verbrechen ist. Das Strafmaß für dieses wurde ja auch erst kürzlich raufgesetzt und somit zum schweren Verbrechen gemacht.
Außerdem, so Justizministerin Berger, darf auf private Computer nur dann zugriffen werden, wenn ein konkreter Tatverdacht besteht. Und es brauche "die Anordnung des Staatsanwalts mit richterlicher Genehmigung jeweils im Einzelfall".
Meiner Ansicht nach, brauch ich diesen Bundestrojaner nicht mehr, wenn ohnehin schon konktreter Tatverdacht besteht. Was will ich denn dann noch damit? Da kann ich mir einen Durchsuchungsbefehl auch holen und die Maschine direkt mitnehmen und vielleicht den "Täter" gleich inflagranti.
Das ist schon wieder so ein Schwachsinn wie mit dieser elektronischen Gesundheitsakte (ELGA).
Wie ich unsere gute, österreichische Mentalität kenne, sind die Daten so miserabel geschützt, dass sich bald die Versicherungen darum reißen um den Leuten Lebensversicherungen zu verweigern oder ähnliches. Das sind ja auch so Spinner bei der Krankenkasse + ELGA-Entwicklern. Verkaufen guten GPL-Code samt Tools ohne Weitergabe der GPL+Sources an Vater Staat (http://www.gpl-violations.org/news/2006 ... te-de.html).

Aber darum geht es hier jetzt nicht. Ich bin einfach verärgert und enttäuscht, wie die Bevölkerung ihre Privatspähre frohen Mutes und ohne Widerstand aus dem Fenster wirft.

Dazu kommt ja noch folgendes:
Der italienische Präsident Giorgio Napolitan während einer Nachrichtenkonferenz in Siena hat geschrieben:Jene die anti-EU sind, sind Terroristen.
Da ich NICHT FÜR die EU in ihrer gegenwärtigen Form bin, bin ich wohl Terrorist und muss ich vor richterlich angeordneten Onlinedurchsuchungen fürchten??
Bitte geben Sie Ihre MENSCHENRECHTE zusammen mit der
UNSCHULDSVERMUTUNG, Ihren FINGERABDRÜCKEN und einer DNS-PROBE beim BKA ab. Der grosse Bruder ist derzeit unpässlich. Bis zur erfolgreichen Festnahme aller Gedankenverbrecher bejubeln Sie bitte Ihren zuständigen INNENMINISTER.
Quo vadis, Österreich? Quo vadis, Deutschland? Quo vadis, EU?

P.S.: Ich wollte meinen Frust loswerden und hoffe damit keinem hier auf die Zehen zu treten. Sollte der Beitrag hier absolut nicht reinpassen, bitte in den Mülleimer werfen...
Gruß!
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Rebecca
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Mittwoch 17. Oktober 2007, 16:08

Ich kann deine Wut voll und ganz verstehen. Bis vor kurzem haette ich mich nicht als ueberdurchschnittlich politisch bezeichnet, aber jetzt bin ich Parteimitglied, schreibe Leserbriefe, organisiere eine Mahnwache mit... :shock:

Lass den Kopft nicht haengen! Rede mit den Leuten und versuche Gleichgesinnte zu finden. Es waere doch toll, wenn man die Mahnwachen auch ausserhalb Deutschlands organisieren wuerde.
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veers
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Mittwoch 17. Oktober 2007, 17:45

Ich freue mich schon gewaltig auf den Moment an dem ein solcher Trojaner gesichtet und die Binaries veröffentlicht werden. Ich kann es mir schon vorstellen: "Polizei mit Fehlinformationen beliefern für jedermann.".
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Andy
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Mittwoch 17. Oktober 2007, 17:50

@Rebecca: Der Herr Minister hat Euch (Euren Mahnwachen) doch bereits geantwortet: Ich mache den Menschen gar keine Angst!!! :P Ich habe mich über den Artikel übrigens schrottgelacht. :lol: Nein, Nein, ich bin natürlich auch Verfechter des Budestrojaner / Vorratsdatenspeicherung etc. :!:
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Mittwoch 17. Oktober 2007, 18:01

veers hat geschrieben:Ich freue mich schon gewaltig auf den Moment an dem ein solcher Trojaner gesichtet und die Binaries veröffentlicht werden. Ich kann es mir schon vorstellen: "Polizei mit Fehlinformationen beliefern für jedermann.".
Sorry den Doppelpost, aber veers war schneller.

Kann ich nur zustimmen. Ich habe erst gestern irgendwo eine Diskussion über den B-Trojaner gelesen. In irgendeiner Form werden sich ja dann auch die diversen Anti-Viren-Progamm-Hersteller weigern, den Trojaner garnicht zu erkennen. Bzw. die Online-Test-Anbieter finden auf einer rein zufälligen Art und Weise den B-Trojaner, weil er sich definitiv nicht von anderen unterscheidet, bietet man Schutz für diesen noch unbekannten Neulings und verbreitet die Definations-Datei an alle verbündeten Anti-Viren-Unternehmen... und schon müsste dass BKA auf weitere Online-Dursuchungen verzichten, bis die Entwickler irgendeine neue Variante gehackt haben.
BlackJack

Mittwoch 17. Oktober 2007, 19:20

Die Frage ist in wieweit die den Trojaner nicht ordnungsgemäss von Microsoft signiert als Online-Update einschleusen können. Das dürfte Virenscanner ausbremsen.
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veers
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BlackJack hat geschrieben:Die Frage ist in wieweit die den Trojaner nicht ordnungsgemäss von Microsoft signiert als Online-Update einschleusen können. Das dürfte Virenscanner ausbremsen.
Es ist fraglich in wie weit da Microsoft mitspielen muss/will. Wenn so etwas heraus kommt, was nicht unwahrscheinlich ist, stellt sie das in ein ziemlich negatives Licht. :wink:
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Leonidas
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Naja, wenn man für den Trojaner ein Auge zudrückt kommen andere und geben sich als dieser Trojaner aus. Ich erinnere mich an das Sony-Rootkit.
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BlackJack

Mittwoch 17. Oktober 2007, 20:43

@veers: Es geht gegen Terroristen und Kinderpornographie, wie kann Microsoft da nicht gegen vorgehen wollen. Nicht gegen Terroristen und Pädophile zu sein ist unamerikanisch. ;-)
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jens
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Donnerstag 18. Oktober 2007, 08:38

Die Frage ist, wie das ganze mit Linux zusammenspielen wird. Das wird wohl nicht so einfach sein, es unbemerkt auf einen Rechner zu packen.

Wobei da IMHO ein verzerrendes Bild in Umlauf ist: Es soll ja nicht so sein, das generell alle Rechner mit dem Trojaner ausgestattet werden. Viel mehr sollen nur gezielt verdächtige Personen observiert werden. Somit ist das entdecken schwieriger...

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veers
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jens hat geschrieben:Die Frage ist, wie das ganze mit Linux zusammenspielen wird. Das wird wohl nicht so einfach sein, es unbemerkt auf einen Rechner zu packen.
Jaein, grundsätzlich kann der Staat natürlich "man in the middle" spielen und so die Software welche du herunterlädst patchen. Ist jedoch zugegeben ziemlich auffällig. Zudem signieren die meisten? Distributionen ihre Pakete. Allerdings würde ich auch da nicht ausschließen das die mit dem Staat kooperieren.
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jens
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Donnerstag 18. Oktober 2007, 09:22

Aber genau da liegt ja das "Problem": Es gibt Distributionen wie Sand am Meer ;) Wenn, dann werden die höchstens mit den größten Zusammenarbeiten. Aber ich denke nicht das es mit wirklich allen funktionieren wird...

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Rebecca
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Donnerstag 18. Oktober 2007, 09:23

jens hat geschrieben:Die Frage ist, wie das ganze mit Linux zusammenspielen wird. Das wird wohl nicht so einfach sein, es unbemerkt auf einen Rechner zu packen.
Fuer jeden Fall soll ja eine individuelle Loesung entwickelt werden. Das da evtl. mehr Arbeit reingesteckt werden muss, als bei einer herkoemmlichen Ueberwachung, scheint keinem aufzufallen.
jens hat geschrieben:Es soll ja nicht so sein, das generell alle Rechner mit dem Trojaner ausgestattet werden. Viel mehr sollen nur gezielt verdächtige Personen observiert werden.
Tja, was mache ich also, wenn ich Terrorist werden will? Zwei Rechner anschaffen mit zwei verschiedenen Betriebssystemen und zwei verschiedenen Architekturen. Mit einem geht man online (eventuell sogar mit LiveCD), der andere ist der eingentliche Arbeitsrechner, auf dem alle Daten, die rausgehen sollen, gleich verschluesselt werden. Noch sicherer: Internetzugang nur im Internetcafe (am besten wechselnd), Arbeitsrechner ist ein Laptop, den man immer dabei hat, damit er nicht in Abwesenheit physikalisch manipuliert werden kann. Ziemlich einfach und ziemlich effektiv. Diejenigen, bei denen das mit der Online-Untersuchung wirklich klappt, sind doch eher die unorganisierten Kleinverbrecher.

Mal davon abgesehen: Wenn der Staat es schafft, auf meinem Rechner einen Trojaner einzuschleusen, schaffen das auch andere Hacker. Wer kann beweisen, dass die Daten, die auf meinem Rechner liegen, dann tatsaechlich von mir kommen? Wie will man ueberpruefen, dass nicht bei der Online-Untersuchung meine Daten manipuliert werden (da muss man ja gar keine Absicht unterstellen)? Es ist deswegen aeusserst fragwuerdig, ob man die Ergebnisse einer Online-Durchsuchung gerichtlich verwenden kann, es geht vor allem um Indizien. Warum will man aber bei den "10 Gefaehrdern pro Jahr", die eh schon unter starkem Verdacht stehen, dann noch eine Online-Untersuchung anleiern? Warum reicht es da nicht, per Hausdurchsuchung den Rechner einzukassieren?

Wenn man die ganzen Aussagen der Politiker so mitverfolgt, kann man echt nur den Kopf schuetteln. Die widersprechen sich z.T. selbst. Und die Vorstellung, dass die Suchkriterien so angepasste werden, dass private Daten nicht durchsucht werden, also z.B. nach Dateinamen und Dateiendungen, ist ja wohl laecherlich. Nennt eure Bombenbauanleitungen privat/bigtits.jpg oder famile/opasgeburtstag.png, und alles ist gut. :roll:
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jens
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Rebecca hat geschrieben:Diejenigen, bei denen das mit der Online-Untersuchung wirklich klappt, sind doch eher die unorganisierten Kleinverbrecher.
Jep, das glaube ich allerdings auch... Die "Email-Überwachung" ist IMHO auch nicht wirklich Effektiv...

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Donnerstag 18. Oktober 2007, 12:30

@Rebecca: Danke für für deine Anregungen. Ich habe was gefunden:
http://ppoe.or.at/
Es gibt Piraten in Österreich. Gottseidank.
Ich wohne etwas abgelegen und für mich wäre es von hier aus schwer gewesen was zu organisieren - aber ich sehe, ich bin nicht allein!
Gruß!
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